Montag, 21. Januar 2013

Alles richtig gemacht!

 Wetter für Bremen, Deutschland (21.01.2013)

-4 °C | ° F
Mo.Di.Mi.Do.
SchneeVereinzelt SchneeMeist sonnigMeist sonnig
Leichter Schneefall


Wind: O mit 26 km/h


Feuchtigkeit: 93%-3°-7°-3°-8°-2°-8°-3°-10°

 

Wetter für Istanbul, Türkei (21.01.2013)

14 °C | ° F
Mo.Di.Mi.Do.
Meist sonnigVereinzelt RegenKlarMeist sonnig
Klar


Wind: O mit 8 km/h


Feuchtigkeit: 55%14°10°13°12°12°

   









Kochstudio Aliye Teyze

SÜTLAC


Heute hat mir Aliye Teyze gezeigt wie man Sütlac macht. Das ist der türkische Milchreis. Und wer die gute Aliye kennt, kann ahnen, wie das heute so vor sich ging:
"Marina, Marina! Bak! Bak!" (Schau!Schau!) - mir ist zugegeben fast das Trommelfell geplatz, aber vielleicht dachte sie, je lauter sie spricht, desto besser merke ich mir das Rezept.
Gemerkt habe ich es mir jedenfalls. Also für Aliye's Sütlac braucht ihr:
  • 1 Cay-Glas Reis (entspr. ca einer halben Tasse)
  • 1 Liter Milch
  • 1 Prise Salz
  • 1 EL Mehl
  • 1 El Stärke
  • 10 EL Zucker
  • 1 Päkchen VanillinZucker
  • Wasser

1. Den Reis mit Wasser und Sakz kochen bis er weich ist.
2. In der Zwischenzeit das Mehl und die Stärke mit etwas Wasser anrühren.
3. Sobald der Reis fertig gekocht ist, die Milch und anschließend den Zucker hinzufügen und verrühren.
4. Wenn die Milch kocht, die Stärke-Mehl-Mischung unterrühren.
5. Wenn die Mischung unterständigem Umrühren dickflüssig geworden ist, denn Vanillinzucker unterrühren, die Masse in kleine Glasschälchen füllen, mit Zimt bestreuen (-alternativ mit Eigelb überstreichen und bei Oberhitze kurz backen, bis eine obere, bräunliche Kruste entsteht-) und abkühlen lassen.

Afiyet olsun!


Samstag, 12. Januar 2013

İki Bin On Üç

Da ist es!  İki Bin On Üç! 2013!


Das neue Jahr hat begonnen, aber bei uns in der Kosuyolu Caddesi geht alles weiterhin seinen gewohnten Gang... Nun, das stimmt nicht ganz. Lasst mich euch von den neusten Ereignissen berichten. 
Sagen wir es so, im Haus sind ein paar „Kämpfe“ unterschiedlicher Natur ausgebrochen. Also da gäbe es einmal unsere streng muslimische Nachbarin von Gegenüber, die uns jeden Tag neue Leckereien aus ihrer Küche vorbeibringt. Wir müssen dann natürlich kontern und ihr auch etwas geben, wobei sie dann aber am nächsten Tag mit weiterem Essen vor der Türe steht, um uns zu übertrumpfen. Daraus scheint sich fast ein kleiner Wettstreit entwickelt zu haben und bevor sie letztens zu uns zu Besuch kam, wurde erst einmal zwei Stunden lang geputzt! Tja wir wollen ja mal sehen, wer hier die besser Hausfrau ist!!
Die Nachbarn, die unter uns wohnen, haben uns vor ein paar Tagen dann auch offen den Krieg erklärt. Beschwert haben sie sich jetzt ja schon mehrere Male, dass wir abends um 18 Uhr (!!!) so laut waren. Wir hatten ihnen anscheinend zu fröhlich gelacht. Kein Wunder, alles was von unten heraufkommt, sind zankende Laute oder das Weinen ihres Kindes. Wirklich traurig. Als sie nun vor ein paar Tagen nachts um halb eins wieder so einen Lärm veranstalteten, beschlossen wir einmal den Spieß umzudrehen und nach unten zu klopfen. Nunja sei es türkisches Temperament oder ein wirklich schwieriger Nachbar, zwei Sekunden später klopfte und klingelt es an die Haustür. Dem folgten Schimpfwörter, die ich hier nicht wiederholen möchte. Auf jeden Fall hat Seyda nun ihrem Freund und ihrem Bruder von dem Nachbarn erzählt und, wenn das so weiter geht, endet das hier noch in einer Schlägerei zwischen den guten Männern. Uns selbst wird anscheinend nicht zugetraut, dass wir uns wehren können, denn wir sind ja nur Frauen. Aber immerhin hätte unser Wort gegen ihn vor Gericht mehr Gewicht, denn nach türkischem Recht haben Frauen gegenüber Männern zu 70% Recht. Und unser Nachbar hat halt (im Gegensatz zu uns) auch keine Bildung, so Seyda. Na, wenn wir in solchen Mustern denken, dann möchte ich hier gleich mal anmerken, dass ich noch dazu Europäerin bin!!
Ach ja, dieses Haus bietet so viel Potenzial, ich könnte allein hierüber schon meine Bachelorarbeit schreiben.

Wie ihr seht, die Nachbarn sind also schwierig, aber zumindest in unseren eigenen vier Wänden geht es uns gut. Meiner Meinung nach hat sich unsere Wohnqualität um 50% gesteigert, denn wir können ein paar neue Lampen aus Ikea vermerken, die wir auf meinen Wunsch nach etwas gemütlicherem Licht nebst unseren krankenhausähnlichen Lichtverhältnissen gekauft haben. Was die Wohnqualität dann aber wiederum um 50% reduziert, sind eine leistungsschwache Heizung (fünf Kleidungsschichten sind bei mir gerade keine Seltenheit) und ein Dusche, die nach 20 Sekunden heißem Wasser abkühlt.
 Aber bei kürzeren Duschen bleibt mehr Zeit für andere Dinge, wie z.B. fürs Essen. Denn das gibt es bei uns ja immer mehr als genug: Entweder die Nachbarin bringt etwas vorbei, Aliye Teyze kocht für uns oder ihre Schwägerin, deren Tochter Seyda Nachhilfe gibt, schickt uns etwas mit nach Hause. Nur Nutella hatten wir diesmal nicht im Haus.Ich hatte es verboten – aus Selbstschutz! Aber jetzt war ja wieder Prüfungsphase. Zum Glück hatte ich aber noch gute Aldi 'Nussknacker'schokolade da. Die war zwar eigentlich als Mitbringsel gedacht, aber egal, ich finde man muss manchmal einfach ein bisschen egoistisch sein. Und so bestand Mittwoch Nacht dann aus Essay schreiben, Schokolade und Maroon 5 in Dauerschleife. Pünktlich vier Minuten vor der Deadline hatte meine Dozentin dann auch meine Hausarbeit in Hände und ich saß ganz glückselig in der Bibliothek und radierte meine Bücher aus. Und so heißt es nun „Goodbye, Yeditepe!“ Bu kadar – das war's!

Ein kurzes Resümee: Was habe ich aus meiner Zeit an der Yeditepe mitgenommen?
Nun neben schlechtem Nescafe, einer neuen Freundschaft mit dem Mann vom Copy Center im Juragebäude und zwei Tagen schneefrei, würde ich sagen, dass ich nun eine neue Berufsperspektive gefunden habe: Professorin an der Yeditepe! Ich kreuze höchstens alle zwei Wochen in meinem Seminar auf, mach in den drei Stunden Seminar zwei Pausen a mindesten 30 Minuten, die restliche Zeit erzähle ich über meine Kinder und gebe meinen Studenten zu lesen, was ich irgendwann mal selbst gelesen hab – muss aber nicht aktuell sein, kann auch von 1975 sein (in einem Kurs, in dem es um das Leben in der Türkei HEUTE geht). Besorgen müssen sie sich die Literatur aber schon selbst und mein Sekretär bringt mir gefälligst den Kaffee. Ach ja, das wird ein Leben!

Ja okay, zugegeben, ich habe daneben auch meine Leidenschaft für die Anthropologie entdeckt. Alles wird jetzt nur noch als „Research“ gesehen, so z.B. auch die Türkische(n) Hochzeit(en). Ja, im Dezember war ich auf meiner ersten türkischen Hochzeit. Mein Museumsfreund Sedat hatte mich mitgenommen. Zuerst sind wir alle zu sechst in ein Auto gequetscht zum Haus der Braut gefahren. Dort war schon viel los. Traditionelle Trommler spielten bis die Braut nach draußen kam. Zugegeben hatte ich zunächst die Tante für die Braut gehalten, völlig berechtigt wie ich anfangs meinte, denn sie trug ein weißes langes Kleid und eine Unmenge an Schmuck. Aber dann kam die Braut! Ich denke ihr könnt euch vorstellen wie das Kleid aussah: Weiß, pompös und glitzernd!
Und dann ging es im Hupkonzert auf zur Feier! Fragt mich nicht, wo es genau war. Aber es war auf jeden Fall ziemlich weit auf der europäischen Seite. Den Saal selbst fand ich ziemlich ungemütlich: weiße Wände, weiße Fließen, und dazwischen ein bisschen Lila und Silber. Das Hochzeitspaar saß auf einem kleinen erhöhten Bereich neben der Bühne, der mit roten, grünen und blauen Neonröhren und Herzen beleuchtet wurde. Mustafa, Sedats Freund, lief dann auch erstmal zum nächsten Kiosk, wo er für uns Getränke und Poca besorgte, denn um ein Catering war es schlecht bestellt. Nachdem dann alle Gäste da waren, begann das Hochzeitspaar mit dem Hochzeitstanz. Danach musste man sich aufreihen und die Geschenke wurden überreicht. Dabei handelt es sich hier meisten um Geldscheine oder Goldstücke, die an einen Schal, den Braut und Bräutigam tragen, angeheftet werden. Das wurde alles von einem Herren auf der Bühne laut vorgetragen und zudem auf Video übertragen, damit auch jeder mitbekommt, wie viel geschenkt wird. Dann gibt’s dann ein kurzes Foto mit dem Brautpaar, das man später als Erinnerung käuflich erwerben kann. Achja und eine Schale Nüsse wurde auch auf jedem Tisch verteilt. Danach folgte endlich das Tanzen. Ich stürzte mich genau dann auf die Tanzfläche, als ein etwas schwieriger Volkstanz kam (also einer bei dem man mitzählen muss: zwei nach links, zwei nach rechts usw.). Aber als erprobtes Funkenmariechen war das ja kein Problem für mich. Eher das türkische „Rumgeschnipse“ – damit will ich nicht so ganz warm werden. Aber da kamen ja eh erstmal wieder die Trommler zum Zug, während wir Gäste dann tatsächlich je ein Stück Kuchen und ein kleines Glas Pepsi bekamen. Mir fällt es schwer einzuschätzen, wie viele Leute da waren. Vielleicht so um die Hundert. Jedenfalls viele Frauen mit Kopftüchern. Es war sowieso insgesamt eine ziemlich traditionelle und typische Hochzeit – was manch einen verwundern mag, der Raki und wilde Tänze erwartet. Und ja, die gibt es auch, aber insgesamt sind wohl doch viele türkische Familien noch recht traditionell muslimisch in dem Sinne, dass es auf der Hochzeit keinen Alkohol gibt. 
Ich hätte euch gerne das bessere Video eingestellt, aber das ist leider zu groß! Aber immerhin ein kleiner Eindruck:




Habe ichim Dezember also eine Feier mitbekommen, so habe ich am letzten Wochenende eine Trauung miterlebt. Die fand im Stadtteil Fatih statt, im großen Kulturzentrum. Dort werden Hochzeiten im Akkord abgehalten, denn es gab drei Räume, in denen parallel Trauungen stattfanden. Und war die Trauung vorbei, versammelten sich alle Gäste im Vorraum, wo dann die Geschenke überreicht wurden, während im Saal selbst dann schon eine neue Trauung statt fand. Diesmal waren wir leider nicht zur Feier danach eingeladen, aber ich konnte zumindest ein geschmackvolles Porzellanei abstauben, ein kleines Dankeschön des Brautpaares, wie uns der glückliche Vater des Bräutigams erklärte - glücklich darüber seinen Sohn endlich verheiratet zu haben. Schließlich ist er ja schon Mitte 30!!

Schnee in der Kosuyolu Caddesi
Nach diesem rasanten Start ins neue Jahr mit Schneesturm, türkischer Hochzeit, Nächten des Hausarbeitsschreibens, Besuch, der mir bewies, dass Chili con Carne auch als Chili sin Carne schmecken kann und einem für meine Verhältnisse relativ unmelancholischen Silvester, freue ich mich jetzt über meine Ferien und die weiteren sechs Monate, die hier in der Türkei vor mir liegen. Heute, einem ersten Moment der Ruhe, fängt das neue Jahr erst richtig für mich an. Von daher meine Lieben: MUTLU YILLAR!!