Hallo mein Istanbul, du hast mich wieder.
Über einen Monat bin ich nun schon zurück und da wird es
wirklich Zeit für einen kurzen Bericht:
Ja was soll ich sagen, es fühlt sich tatsächlich an, als
wäre ich nie weg gewesen. Alles scheint vertraut und gewohnt. Die ersten zehn
Tage bis Mitte September kamen Christian und ich in meiner alten WG bei Zeynep
und Seyda unter, wobei Zeynep mittlerweile mit ihrem Studium fertig ist und von Montag bis Samstag arbeiten musste und Seyda noch bei ihre
Familie in Izmir war, während Aliye Teyze ja gar nicht mehr im Haus wohnt und
ich sie daher die ersten Tage auch gar nicht zu Gesicht bekam. Das alles machte
mir deutlich, dass wohl doch nicht alles beim alten geblieben war.
Das wurde mir aber auch klar, als ich zum ersten Mal wieder dem
Nautilus Shopping Center einen Besuch abgestattet habe. Was habe ich da Augen gemacht. Die
Baustelle, die nicht selten den Weg zum Fähranleger in ein kleines Abenteuer verwandelte
(alle, die mich besucht haben, erinner sich sicherlich noch gut daran), ist
weg. Stattdessen sind dort jetzt noch mehr Geschäfte und Restaurants, eine
Straßenüberführung und die neuen Metrostation – denn hier beginnt die Marmaray,
die U-Bahn, die unter dem Bosporus hindurchführt. Und getestet habe ich sie
auch schon. Es ist unglaublich aus einem fast einstündigen Weg, werden nun
knapp 20 Minuten. Wobei es schon ein komisches Gefühl ist, Tonnen von Wasser
über sich zu wissen.
Aber nun zur wichtigsten Nachricht: Das große Wiedersehen
mit Aliye Teyze!
Zunächst hatte ich ja gehofft, Zeynep könnte mit mir
zusammen zu Aliye Teyze gehen, aber da sie immer so viel arbeiten muss, habe ich mich mutig alleine auf den Weg zur anderen Straßenseite gemacht. „Aliye -3“
heißt es da auf der Klingel so schön, wobei die Zahl 3 übrigens nicht bedeutet,
dass sie im dritten Apartment wohnt, sondern, dass man im Aufzug das dritte
Stockwerk drücken soll. Und wehe man nimmt nicht den Aufzug. Ja ihr lieben, da
Aliye Teyze ja nun stolze Besitzerin dieses Wunderwerks der Technik ist, muss
man dem gebührend Tribut zahlen.
Nach einem beherzten Drücken der Klingel öffnet sich das
Fenster im dritten Stockwerk und eine neugierig dreinblickende Aliye Teyze
schaut in den Hof: „Marişko!!“ erschallt es da laut und ein großes Strahlen
erscheint auf ihrem Gesicht, „Alişko“
rufe ich zurück und strahle ebenso glücklich zurück. Schon ist die Türe geöffnet,
die Treppe erklommen und Marina in den Armen ihrer Aliye Teyze. Und dann fragt
sie – nein, nicht wie geht es dir oder oh wie schön dich zu sehen - „Marina, wo ist dein Freund?“ Gefolgt vom
zweiten Satz: „Wann heiratet ihr? Ich besorge mir bald einen Reisepass, dann
kann ich kommen.“ Alles klar, Aliye Teyze, ich freue mich auch dich
wiederzusehen.
Achja und was wurde geschimpft: „Was Marina, du suchst eine
Wohnung? Warum sagst du mir denn nichts? Ich hätte dir eine Wohnung
organisiert! Pfui, Marina!“ Und dann wird der Hausmeister der alten Wohnung und
dann der Hausmeister der neuen Wohnung angerufen, ob diese irgendwelche
Neuigkeiten bezüglich freier Wohnungen in unserer Wohngegend haben, wobei sie
jedes Mal mit einem lauten „Pfui“ bestraft werden, wenn nichts dabei ist. Aliye
Teyze verspricht mir sie bleibt dran und wird für mich weitersuchen.
So sitzen wir dann auch gleich am Tag darauf bei ihr und
Hüssein Amca im Wohnzimmer und blättern ihre Zeitung nach passenden Anzeigen
durch, aber leider nichts dabei. Naja das ist ja halb so schlimm, denn
schließlich habe ich ja diesmal Christian dabei und Aliye Teyze ist völlig aus
dem Häuschen. Ich glaube er macht mir ernsthaft Konkurrenz. Naja mit seinen
blonden Haaren und blauen Augen ganz nach Aliye Teyzes Geschmack. Sogleich
besteht sie dann auch auf einen gemeinsamen Restaurantbesuch in Üsküdar, und
ich habe das Gefühl, dass hier wird schwieriger als den Freund den eigenen
Eltern vorzustellen. Leider wurde Aliye Teyze dann aber am ausgemachten Termin krank
und so wurde der Restaurantbesuch an meinem Geburtstag bei Kaffee und Kuchen
nachgeholt und mir feierlich ihr Geschenk überreicht: Ein „Strandhandtuch“ (s.
Foto) in modischem Türkisblau. So ein Mist, hätte ich das nur schon ein paar
Tage vorher beim Baden auf den Prinzeninseln gehabt.
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| Baden auf der Kinalida Insel, Istanbul |
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| Aliye Teyzes Strandhandtuch |
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| Geburtstagskuchen |
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| Geburtstagsfeier |
Mit meiner Schwester, die sich spontan über meinen
Geburtstag angekündigt hatte, ging es dann übers Wochenende ans Schwarze Meer nach
Ağva, wobei unser dortig Aufenthalt gut
in einer drei Fragzeichenfolge hätte mitspielen können: ein augestorbenes Hotel
im Nirgendwo, Stromausfall und heftiger Sturm. Da ging es sonntags dann doch lieber schnell wieder
zurück nach Istanbul.
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| Ağva vor dem Sturm |
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| Unser treuer Gefährte auf den einsamen Straßen von Ağva |
Letztendlich haben Christian und ich auch ohne Aliye Teyzes
Hilfe geschafft, eine eigene Wohnung zu finden, was aber seine Zeit gebraucht
und viele interessante Begegnungen mich sich gebracht hat: Da gab es eine liebenswürdige
Yogalehrerin, einen jungen Filmprdouzenten in Üsküdar, der sich über die Leute
in Kadiköy aufregte und einen jungen Mann in Kadiköy, der sich über die Leute
in Üsküdar aufregte, dann einen Markler, der die Wohnungssuche mit einer
Jobbörse zu verwechseln schien, junge Design Studentinnen in Besikats, wo
schon der Weg zum Haus sich wie ein einziges Labyrinth anfühlte, und schließlich
eine Vermieterin die sich im Endeffekt als älteres, Kette rauchendes türkisches
Ehepaar herausstellte. Nachdem uns all das ebenso wie verrauchte Wohnzimmer,
zugestellte Balkons, nicht funktionierende Toilettenspülungen und eine einer
Müllhalde gleichenden Wohnung nicht überzeugt hatten, waren wir kurz davor die
Hoffnung aufzugeben. Aber dann kam plötzlich unsere Traumwohnung: Sie liegt in
Kadiköy nah am Fähranleger, ist schön eingerichtet, steht uns alleine zur
Verfügung und der Balkon hat Meerblick. Da nimmt man auch in Kauf, dass
Gespräche mit dem frühpensionierten und reiselustigen Vermieter gerne mal in
kleine Geschichtslektionen ausufern können. Tja und bis der liebe Vermieter
dann am 20.10. auf seine Reise nach Südostasien aufbricht und wir endlich
einziehen können, wohnen wir bei zwei jungen Türkinnen (und gefühlten 50 Katzen im Innenhof) in Cihangir auf der
europäischen Seite, nahe am Taksim-Platz.
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| Glücklich über einen eigenen Schrank (Stabilität: Kein Kommentar!) |
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| Unser Obst- und Gemüsehändler in Cihangir |
Eine Wohnung ist also gefunden und auch die Beantragung
unserer Aufenthaltsgenehmigung auf der Polizeibehörde habe ich mit meinem
charmanten Lächeln und ein bisschen Türkisch innerhalb von drei Tagen erledigt
bekommen, wobei ich am Ende schon namentlich von den dortigen Angestellten
begrüßt wurde. Die Uni hat nun auch begonnen und nach ersten Unklarheiten über
die Kurswahl steht mein jetziger Semesterplan fest. Neben zwei Kursen, die sich
mit Visueller Kultur und Medien- und Globalisierungsprozessen beschäftigen,
sitze ich nun bald auch schon an der Planung meiner Masterarbeit. Aber bevor
ich mir darüber den Kopf zerbrechen werde, genieße ich gerade noch die letzten
Tage meiner Kurban Bayramı (Opferfest) Ferien und schlendere durch die Straßen von Beşiktaş, Üsküdar und Beyoğlu.
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| Auf der Istiklal |
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| Lokanta am Taksim Platz |
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| Üsküdar |
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| In Kuzcunguk, Üsküdar |
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| In Kuzcunguk, Üsküdar |
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| In Beşiktaş |
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