Dienstag, 7. Oktober 2014

Merhaba Istanbulum!




Hallo mein Istanbul, du hast mich wieder. 


Über einen Monat bin ich nun schon zurück und da wird es wirklich Zeit für einen kurzen Bericht:
Ja was soll ich sagen, es fühlt sich tatsächlich an, als wäre ich nie weg gewesen. Alles scheint vertraut und gewohnt. Die ersten zehn Tage bis Mitte September kamen Christian und ich in meiner alten WG bei Zeynep und Seyda unter, wobei Zeynep mittlerweile mit ihrem Studium fertig ist und von Montag bis Samstag arbeiten musste und Seyda noch bei ihre Familie in Izmir war, während Aliye Teyze ja gar nicht mehr im Haus wohnt und ich sie daher die ersten Tage auch gar nicht zu Gesicht bekam. Das alles machte mir deutlich, dass wohl doch nicht alles beim alten geblieben war.
Das wurde mir aber auch klar, als ich zum ersten Mal wieder dem Nautilus Shopping Center einen Besuch abgestattet habe. Was habe ich da Augen gemacht. Die Baustelle, die nicht selten den Weg zum Fähranleger in ein kleines Abenteuer verwandelte (alle, die mich besucht haben, erinner sich sicherlich noch gut daran), ist weg. Stattdessen sind dort jetzt noch mehr Geschäfte und Restaurants, eine Straßenüberführung und die neuen Metrostation – denn hier beginnt die Marmaray, die U-Bahn, die unter dem Bosporus hindurchführt. Und getestet habe ich sie auch schon. Es ist unglaublich aus einem fast einstündigen Weg, werden nun knapp 20 Minuten. Wobei es schon ein komisches Gefühl ist, Tonnen von Wasser über sich zu wissen.


Aber nun zur wichtigsten Nachricht: Das große Wiedersehen mit Aliye Teyze!


Zunächst hatte ich ja gehofft, Zeynep könnte mit mir zusammen zu Aliye Teyze gehen, aber da sie immer so viel arbeiten muss, habe ich mich mutig alleine auf den Weg zur anderen Straßenseite gemacht. „Aliye -3“ heißt es da auf der Klingel so schön, wobei die Zahl 3 übrigens nicht bedeutet, dass sie im dritten Apartment wohnt, sondern, dass man im Aufzug das dritte Stockwerk drücken soll. Und wehe man nimmt nicht den Aufzug. Ja ihr lieben, da Aliye Teyze ja nun stolze Besitzerin dieses Wunderwerks der Technik ist, muss man dem gebührend Tribut zahlen.
Nach einem beherzten Drücken der Klingel öffnet sich das Fenster im dritten Stockwerk und eine neugierig dreinblickende Aliye Teyze schaut in den Hof: „Marişko!!“ erschallt es da laut und ein großes Strahlen erscheint auf ihrem Gesicht, „Alişko“ rufe ich zurück und strahle ebenso glücklich zurück. Schon ist die Türe geöffnet, die Treppe erklommen und Marina in den Armen ihrer Aliye Teyze. Und dann fragt sie – nein, nicht wie geht es dir oder oh wie schön dich zu sehen -  „Marina, wo ist dein Freund?“ Gefolgt vom zweiten Satz: „Wann heiratet ihr? Ich besorge mir bald einen Reisepass, dann kann ich kommen.“ Alles klar, Aliye Teyze, ich freue mich auch dich wiederzusehen.
Achja und was wurde geschimpft: „Was Marina, du suchst eine Wohnung? Warum sagst du mir denn nichts? Ich hätte dir eine Wohnung organisiert! Pfui, Marina!“ Und dann wird der Hausmeister der alten Wohnung und dann der Hausmeister der neuen Wohnung angerufen, ob diese irgendwelche Neuigkeiten bezüglich freier Wohnungen in unserer Wohngegend haben, wobei sie jedes Mal mit einem lauten „Pfui“ bestraft werden, wenn nichts dabei ist. Aliye Teyze verspricht mir sie bleibt dran und wird für mich weitersuchen. 

So sitzen wir dann auch gleich am Tag darauf bei ihr und Hüssein Amca im Wohnzimmer und blättern ihre Zeitung nach passenden Anzeigen durch, aber leider nichts dabei. Naja das ist ja halb so schlimm, denn schließlich habe ich ja diesmal Christian dabei und Aliye Teyze ist völlig aus dem Häuschen. Ich glaube er macht mir ernsthaft Konkurrenz. Naja mit seinen blonden Haaren und blauen Augen ganz nach Aliye Teyzes Geschmack. Sogleich besteht sie dann auch auf einen gemeinsamen Restaurantbesuch in Üsküdar, und ich habe das Gefühl, dass hier wird schwieriger als den Freund den eigenen Eltern vorzustellen. Leider wurde Aliye Teyze dann aber am ausgemachten Termin krank und so wurde der Restaurantbesuch an meinem Geburtstag bei Kaffee und Kuchen nachgeholt und mir feierlich ihr Geschenk überreicht: Ein „Strandhandtuch“ (s. Foto) in modischem Türkisblau. So ein Mist, hätte ich das nur schon ein paar Tage vorher beim Baden auf den Prinzeninseln gehabt. 


Baden auf der Kinalida Insel, Istanbul
Aliye Teyzes Strandhandtuch


Geburtstagskuchen

Geburtstagsfeier


Mit meiner Schwester, die sich spontan über meinen Geburtstag angekündigt hatte, ging es dann übers Wochenende ans Schwarze Meer nach Ağva, wobei unser dortig Aufenthalt gut in einer drei Fragzeichenfolge hätte mitspielen können: ein augestorbenes Hotel im Nirgendwo, Stromausfall und heftiger Sturm. Da ging es sonntags dann doch lieber schnell wieder zurück nach Istanbul.



Ağva vor dem Sturm

Unser treuer Gefährte auf den einsamen Straßen von Ağva

Letztendlich haben Christian und ich auch ohne Aliye Teyzes Hilfe geschafft, eine eigene Wohnung zu finden, was aber seine Zeit gebraucht und viele interessante Begegnungen mich sich gebracht hat: Da gab es eine liebenswürdige Yogalehrerin, einen jungen Filmprdouzenten in Üsküdar, der sich über die Leute in Kadiköy aufregte und einen jungen Mann in Kadiköy, der sich über die Leute in Üsküdar aufregte, dann einen Markler, der die Wohnungssuche mit einer Jobbörse zu verwechseln schien, junge Design Studentinnen in Besikats, wo schon der Weg zum Haus sich wie ein einziges Labyrinth anfühlte, und schließlich eine Vermieterin die sich im Endeffekt als älteres, Kette rauchendes türkisches Ehepaar herausstellte. Nachdem uns all das ebenso wie verrauchte Wohnzimmer, zugestellte Balkons, nicht funktionierende Toilettenspülungen und eine einer Müllhalde gleichenden Wohnung nicht überzeugt hatten, waren wir kurz davor die Hoffnung aufzugeben. Aber dann kam plötzlich unsere Traumwohnung: Sie liegt in Kadiköy nah am Fähranleger, ist schön eingerichtet, steht uns alleine zur Verfügung und der Balkon hat Meerblick. Da nimmt man auch in Kauf, dass Gespräche mit dem frühpensionierten und reiselustigen Vermieter gerne mal in kleine Geschichtslektionen ausufern können. Tja und bis der liebe Vermieter dann am 20.10. auf seine Reise nach Südostasien aufbricht und wir endlich einziehen können, wohnen wir bei zwei jungen Türkinnen (und gefühlten 50 Katzen im Innenhof) in Cihangir auf der europäischen Seite, nahe am Taksim-Platz. 

Glücklich über einen eigenen Schrank (Stabilität: Kein Kommentar!)

Unser Obst- und Gemüsehändler in Cihangir


Eine Wohnung ist also gefunden und auch die Beantragung unserer Aufenthaltsgenehmigung auf der Polizeibehörde habe ich mit meinem charmanten Lächeln und ein bisschen Türkisch innerhalb von drei Tagen erledigt bekommen, wobei ich am Ende schon namentlich von den dortigen Angestellten begrüßt wurde. Die Uni hat nun auch begonnen und nach ersten Unklarheiten über die Kurswahl steht mein jetziger Semesterplan fest. Neben zwei Kursen, die sich mit Visueller Kultur und Medien- und Globalisierungsprozessen beschäftigen, sitze ich nun bald auch schon an der Planung meiner Masterarbeit. Aber bevor ich mir darüber den Kopf zerbrechen werde, genieße ich gerade noch die letzten Tage meiner Kurban Bayramı (Opferfest) Ferien und schlendere durch die Straßen von Beşiktaş, Üsküdar und Beyoğlu. 

Auf der Istiklal

Lokanta am Taksim Platz

Üsküdar

In Kuzcunguk, Üsküdar

In Kuzcunguk, Üsküdar


In Beşiktaş



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