Ja meine Lieben,
eigentlich
sollte ich gerade an meiner Bachelorarbeit sitzen, aber die Litertaur dazu sieht
gerade so aus:
„Aristotle thus gives an indirect proof for A to I
conversion. From ‘every B is A’, it follows that some A is B or not [some A is
B]. ‘Not [some A is B], Aristotle takes to mean ‘no A is B’. But, if no A is B,
then no B is A, which conflicts with the assumption, ‘every B is A’. Therefore
some ‘A is B’ follows from ‘every B is A’. “
Ähm ja…
ihr könnt euch vorstellen, das Bad erstrahlt vor Sauberkeit und der Kleiderschrank
ist fein säuberlich sortiert! Aber es hilft ja alles nichts! Es scheint so als
müsste ich mich doch langsam mal intensiv an die Bachelorarbeit setzen - aber natürlich nicht ohne euch vorher noch einen
kleinen Post zu hinterlassen! Außerdem bin ich nun schon seit über drei Wochen wieder
in Deutschland und da wird es doch Zeit für ein kleines Fazit, denkt ihr nicht?
- Von der Metropole Istanbul in das ländliche Seckmauern, das ist schon ein kleiner Schock! Diese Ruhe, von der man hier umgeben wird! Man könnte ja eine Nadel fallen hören! Und was war es für eine Freude, als ich am letzen Donnerstag nach Frankfurt durfte. So sehr ich auch über mangelnde Natur in Istanbul geschimpft habe und gerade die grüne Landschaft in der Heimat genieße, scheint mir das Stadtleben doch sehr ans Herz gewachsen zu ein!
- Mit Detlev erschien bisher eigentlich fast alles wie immer: Da er auch gerade auf Besuch in Deutschland ist, haben wir uns sowohl in Bremen als auch Frankfurt getroffen. In Frankfurt besuchte ich ihn im Institut für Arabisch-Islamische Wissenschaften, mit dem die Stiftung in Istanbul ja verbunden ist. Dort zeigte er mir das Museum des Institutes und zum Abschied gab es diesmal anstatt unserem üblichen türkischen Kaffee mit Lokum (Turkish Delight), eben Filterkaffee und Obsttorte!
- Ergebnis eines Besuchs des Fahrradladens in meiner ersten Woche in Bremen: „Hallo, können Sie mir helfen mein Fahrrad aufzupumpen, ich habe da so ein komisches Ventil, mit dem ich überhaupt nicht klar komme?!“– „Nee können Sie selber machen, da hinten ist der Schlauch!“ Tja, Hallo Deutschland!!
- Verdammt, was tut der Hintern weh nach dem ersten Mal Radfahren!
- Mein Alkoholkonsum hat sich um 100 % gesteigert, dafür mein Tee-Konsum um 100% verringert.
- Statt jeden Tag mit der Fähre über den Bosporus von Asien nach Europa zu schippern, passiere ich nun mit meinem Corsa die Odenwaldstraße St3259, um von Seckmauern nach Wörth zu kommen – hm ja spricht für sich, oder?
- Essen ist meine derzeitige Lieblingsbeschäftigung: deutsches Brot, Gouda, Schnitzel und Brezeln sind dabei ganz hoch im Kurs! Aber wo ich meine türkischen Spezialitäten herbekomme, das weiß ich auch schon. Can, der Besitzer der „Bunten Ecke“ in der Nähe meiner neuen Wohnung in Bremen, hat mir schon versichert, dass es bei ihnen jeden Morgen Simit und Börek zu kaufen gibt. Can habe ich übrigens vor zwei Wochen kennengelernt, als ich seinen kleinen Laden auf der Suche nach türkischen Produkten besuchte. Ich beeindruckte natürlich gleich mit meinen Türkischkenntnissen und schnell kamen wir ins Gespräch. Ganz nach türkischer Sitte wurde mir auch sofort etwas zu Trinken angeboten und in gewohnter Manier bestellte ich Tee. Doch den gab es gar nicht und was bekam ich stattdessen vorgesetzt: Bier! Hallo Deutschland sag ich da nur wieder!
Ihr seht, meine Welt steht momentan etwas Kopf, denn eben saß ich noch nach dem Ruf des Muezzins beim Iftar (Abendessen) am Bosporus, heute schon
beim Glockenleuten im urigen Odenwälder Gasthaus beim Mittagsbuffet!
Eines ist mir aber nach einem Jahr Istanbul klar… nämlich, dass ich die Türkeistämmigen in Deutschland jetzt mit anderen Augen sehe. Es ist sicherlich nicht einfach sich zwischen so unterschiedlichen Lebenswelten zurechtzufinden. Und irgendwie scheinen sie zu keiner richtig dazuzugehören. In Deutschland sind sie die „Türken“, in der Türkei aber sind sie die „Almanci“ (sinngemäß Deutschländer als Verbindung aus Deutscher und Ausländer, abwertend konnotierte Bezeichnung - einen Artikel, der das ganz gut beschreibt findet ihr hier.)
Ich habe
momentan gemischte Gefühle. Zum einen treibt mich die Sehnsucht nach Istanbul und nach den lieben Menschen, denen ich dort begegnet bin,
zum anderen ist es schön zurück zu sein. Ich genieße die Zeit mit meiner Familie und ich freue mich über Sachen, die ich ein ganzes
Jahr lang entbehren musste wie trinkbares Leitungswasser, ein nicht überfülltes
Transportsystem, deutsches Brot und…Döner mit Soße!! Ja ganz genau! Natürlich
hat der Döner eine lange
Tradition in der Türkei, aber den Döner mit Salat und Soße, den gibt es so nur
in Deutschland!
In diesem Sinne heute ein Hoch auf die Almanci und die deutsch-türkische Kultur!!
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