Hallo ihr Lieben,
kaum zu glauben, aber in gut zwei
Wochen ist meine Zeit hier in Istanbul schon wieder vorbei. Was habe
ich manchmal geschimpft und geflucht, aber jetzt wo der Abschied
näher rückt, wird mir doch sehr wehmütig ums Herz. Ich soll also
unser kleines Kosuyolu, Seyda, Zeynep und meine liebe Aliye Teyze
(die genau wie ich bei dem Gedanken schon Tränen in den Augen hat)
verlassen und mich von Istanbul mit seinem unvergleichlichen
Stadtbild und seinen unvergleichlichen Menschen verabschieden. Das
heißt, keine Soap Abende bei Aliye Teyze mehr, keinen neusten
Tratsch und keine schlauen Ratschläge von ihr, kein Muezzin, der es
doch manchmal immer noch schafft mich mit seinem Gebetsruf nachts um 3.30 Uhr
zu wecken, kein Drängeln mehr an der Straßenbahn, keiner mehr, der mir
nach drei Worten Türkisch sagen wird, wie toll ich doch Türkisch kann, kein Kämpfen um
das Toast an der Kantine, kein Detlev mehr, der sagt „Na trinken
wir noch einen Tee“, keine Fährefahrten über den Bosporus mehr –
ouh ich höre lieber auf daran zu denken...
Heute Nacht beginnt der Monat Ramazan und um 2
Uhr (nachts!) kommt Fatih, mein Leiblingsdoktor, der im Oktober ganz
gut darin war eine kranke Marina über irgendwelche Geheimwege vorbei
an ungeduldig wartenden Türken in das Behandlungzimmer eines Arztes
zu schmuggeln. Ja in ungefähr einer Stunde wird dann also
gefrühstückt und das nennt sich dann "sahur yemeği", und ich mache natürlich mit – beim frühstücken
versteht sich, beim fasten nicht! Da bin ich dann doch ganz Aliye
Teyze – die verspricht ja auch mit ins Fitnessstudio zu kommen,
aber natürlich nur zum Zuschauen! Ihrem Mann geht es übrigens gar
nicht gut, er ist gestern ins Krankenhaus und wird am Freitag
operiert – Aliye Teyze klang gestern deswegen sehr emotional, aber
das tut sie irgendwie auch, wenn sie mir erzählt wie viel sie noch putzen
muss...
Der letzte Monat kam mir wirklich
unheimlich lange vor, ich denke, weil so viel passiert ist: die
Demonstrationen, die Konferenz mit eigenem Beitrag von mir und dann
die Garteneröffnung und meine Abreise nach Sofia, weil mein Visa am
30. Juni ablief. Jetzt hat mich die Türkei für die letzten Wochen nochmal als Touristin wieder.
Lilya und ich waren am zweiten Juni Wochenende im Gezi-Park (als es noch ruhig und friedlich war), dort gab es sogar einen kleine Garten, eine eigene Bibliothek und ein Museum. Und die Köfte dort waren hervorragend. Gezi Park wurde von allen nur noch liebevoll "Schlumpfenland" genannt, während wir es "Klein Utopia" tauften. Ein Camp der anderen Art bot sich mir dann als ich von Kabatas nach Besiktas lief, Polizei und Mannschaftsbusse so weit das Auge reichte. Seitdem der Taksim Platz und wenig später der Park gewaltsam geräumt wurden, gab es mal ruhigere, mal unruhigere Tage. Die Busse vom Taksim aus fahren auch immer noch nicht zuverlässig und gestern war eine große Demo bei uns in Kadiköy. Und die Wiedereröffnung des Parkes endete einmal wieder in Tränengaswolken.




Die Ibn Sina Konferenz lief gut, auch wenn es leider weniger Tielnehmende gab als erhofft. Ich kam mit meinem Vortrag "Love in Ibn Sina's Philosophy" gut an, außer bei Amina die schimpfte Ibn Sina sei für Liebe ohne Emotionen - tja rationale Liebe eben (Ich schicke euch bald den Link zu einem Blog, auf dem der Vortrag veröffentlicht werden wird). Mein Vortrag rief dann auch eine große Diskussion über Ibn Sinas Liebesleben hervor...sehr amüsant.
Am nächsten Tag wurde dann der Ibn Sina Garten neben dem Museum eröffnet
und Dr. Baser war überglücklich endlich seine Rosendestillation
durchführen zu können. Als seine auserkorene Assistentin war ich auch
püntklich um 8 Uhr morgens schon da und wir starteten einige
Probedurchläufe, bis die Gäste dann alle kamen. Am Tag darauf plückten
Dr. Amina und ich zusammen gefühlt den halben Gülhane (Rosengarten) leer
und ich versuchte mich auch mit eigenem Kochtopf an der
Rosendestillation, was nunja...noch der Übung bedarf.



Am 30.Juni hieß es dann ab nach Sofia. Rosi war mittags aus Deutschland angekommen - was für sie drei Stunden Flug und für mich zwei Stunden Fahrt zum Flughafen bedeutete. Abends hatte unser Bus nach Sofia dann auch zwei Stunden Verspätung, was also auch zwei Stunden Verspätung an der Grenze bedeutete, aber das ist hier ja kein Problem. Problematisch fand ich eher, dass es nachts um drei Uhr hieß: "15 minutes duty free!" - Mitten in der Nacht, die treiben wohl ihre Scherze mit mir?!
In Sofia angekommen stellten wir fest, dass alle im selben Hostel zu wohnen schienen und auch alle die kostenlose Führung mitmachten. Danach gab es nach über sechs Monaten mal wieder "Pork" und abends Bier für umgrechnet unter 2,- Euro. Am nächsten Tag ging es auch schon wieder zurück: Istanbul-Sofia-Istanbul in weniger als 48 Stunden!
Zurück in Istanbul hatten Rosi und ich noch zwei gemeinsame Tage, die wir gut zu nutzen wussten:
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| Frühstück in Kuzguncu mit Sara, Rosi und Detlev |
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| Im Botanischen Garten |
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| Mein Lieblingspide und ich bin anscheinend auch die Lieblingskundin!! |
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| Super, also Hochzeitskleid hätte ich ja dann schon mal! |
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| Die Fatih Moschee |
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| Auf dem Bazar in Fatih |
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| An der Galata Brücke |
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| Eine Seitenstraße der Istiklal |
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| Frisch gespresster Orangensaft für weniger als 50 Cent! |
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| Bazar in Üsküdar |
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| Auf der Fähre |
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So meine Lieben mich überkommt die Müdigkeit, gefrühstückt haben wir mittlerweile auch schon (dazu läuft übrigens ein Trommler nachts durch die Straßen und weckt alle). Aber an sich passt der Ramazan dann ja sehr gut zu meinen nächtlichen Bachelorschreibgewohnheiten!
Aber jetzt heißt es erst einmal ein wenig entspannen!!
Iyi Geceler!
So schöne Fotos und ein informativer Blogbeitrag!
AntwortenLöschenDanke!