Hallo ihr Lieben,
ihr habt es sicher schon mitbekommen,
was bei uns hier in Istanbul los ist. Die Stadt steht Kopf. Die
ganze Woche hatte man schon mitbekommen, dass am Taksim Platz
gegen den Bau eines neuen Shoppincenters und das damit verbunden
Zerstören des Gezi Parks demonstriert wurde – jedoch auf
friedliche Weise. Am Freitag erreichten uns dann warnende Anrufe nicht
an den Taksim Platz zu gehen. Das ganze Ausmaße der Demonstration
war mir zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht wirklich klar. Deswegen
muss ich auch erstmal ziemlich verwirrt geschaut haben,
als auf meinem Heimweg (gefühlt) die ganze menschenüberfüllte
Fähre anfing Parolen zu rufen, es von allen Seiten wiederhallte und
ich in Kadiköy von Polizeigittern empfangen wurde.
Istanbul, in dem grüne Parks und Natur
eine Rarität bilden, würde durch die Durchführung des Projektes
einer seiner letzten Grünflächen beraubt werden und wieder würde
ein Stück Geschichte dem Erdboden gleichgemacht werden. Das ist
jedoch nur ein Beispiel und reiht sich ein in die Liste an umstrittenen Projekten,
wie die beiden gigantischen und mehr als fragwürdigen Vorhaben, den
Bau der dritten Bosporusbrücke im Norden Istanbuls und den eines
dritten Flughafens im Westen Istanbuls, was die Zerstörung
wertvoller und wichtiger natürlicher Ressourcen zur Folge hätte:
"Opening the city's only remaining green areas -- the
north -- to construction will mean nothing more than the bankruptcy
of the city. The population boom to be caused by the new construction
projects and destruction of the natural resources will make Istanbul
an uninhabitale place." (Tayfun Kahraman, head of the
Istanbul Chamber of City Planners, In: Today'Zaman - Friday,
May 31,2013).
Doch längst geht es nicht mehr nur um
dieses eine Bauprojekt. Vielmehr wird der Gezi-Park zum Symbol für
den Kampf gegen die autoritären Entscheidungen der Regierung.
Erdogan hat sich wahrlich keine Freunde gemacht, hat seine Regierung
doch beispielsweise erst vor kurzem ein neues
Gesetzespaket zum Alkoholverbot verabschiedet. Nach 22 Uhr können
wir hier z.B. außerhalb von Bars und Restaurant keine alkoholischen
Getränke mehr kaufen. Diese über die
Zeit angewachsene Unzufriedenheit gipfelt sich nun in den derzeitigen
Protestbewegung in Istanbul.
Die politischen
Ereignisse der letzten Wochen, zusammen mit denen der letzten Jahre,
haben Wut und Unverständnis in den Menschen angestaut. Es ist zu viel
passiert. Die schleichende Islamisierung, die weniger mit Religion,
sondern mehr mit dogmatischen und ideologischen Absichten zusammenhängt,
ist nur einer von vielen Missständen. Die Todesopfer von Reyhanli und
die Privatisierung der staatlichen Theater haben das Fass zum Überlaufen
gebracht. Die Türkei ist zu einem autoritären Staat mutiert.
Die politischen
Ereignisse der letzten Wochen, zusammen mit denen der letzten Jahre,
haben Wut und Unverständnis in den Menschen angestaut. Es ist zu viel
passiert. Die schleichende Islamisierung, die weniger mit Religion,
sondern mehr mit dogmatischen und ideologischen Absichten zusammenhängt,
ist nur einer von vielen Missständen. Die Todesopfer von Reyhanli und
die Privatisierung der staatlichen Theater haben das Fass zum Überlaufen
gebracht. Die Türkei ist zu einem autoritären Staat mutiert.
Die politischen
Ereignisse der letzten Wochen, zusammen mit denen der letzten Jahre,
haben Wut und Unverständnis in den Menschen angestaut. Es ist zu viel
passiert. Die schleichende Islamisierung, die weniger mit Religion,
sondern mehr mit dogmatischen und ideologischen Absichten zusammenhängt,
ist nur einer von vielen Missständen. Die Todesopfer von Reyhanli und
die Privatisierung der staatlichen Theater haben das Fass zum Überlaufen
gebracht. Die Türkei ist zu einem autoritären Staat mutiert.Diese über die Zeit angewachsene
Unzufriedenheit gipfelt sich nun in den derzeitigen Protestbewegung
in Istanbul.
Am Freitag erreichte die Protestbewegung ihren Höhepunkt als die
Polizei mit Tränengas und Wasserbomben extrem gewaltsam gegen die
Demonstranten vorging: Hürriyet
Daily News | VIDEO.
Nach Taksim, ins Herz der Demonstration, hat es mich wahrlich nicht verschlagen, aber ich habe mich zumindest auf den Weg zum Hafen in Kadiköy gemacht. Dort habe ich das Treiben am Fähranleger nach Besiktas, wo ebenfalls die Protestbewegung stattfindet, beobachtet.
Die Stimmung hier erinnert mich, ganz ehrlich gesagt, an die Fußball WM 2006 in Deutschland. Mindestens jeder und jede Zweite trägt eine Türkei-Flagge, an jeder Ecke kann man Fahnen, Stirnbänder und Co kaufen. Selbst die ganz Kleinen rufen schon die Parolen mit und dokumentieren alles mit ihrem Handy. Gerade ist eine neue Fähre angekommen und ein ganzer Zug Menschen zieht vorbei, die Menschen klatschen und jubeln. Jeder scheint angesteckt von dem Gefühl des Aufbruchs. Jeder möchte mit dabei sein und ein Gefühl der Gemeinschaft liegt in der Luft: „Faşizme Karşı Omuz Omuza!" - Schulter an Schulter gegen den Faschismus- ruft es von überall her. Die Menschen schwenken Atatürk Fahnen und rufen „Mustafa Kemal'in Askerleriyiz!" - Wir sind Mustafa Kemals Soldaten! Und so werden diejenigen, die mit der Fähre in Richtung Besiktas aufbrechen oder aus dieser Richtung zurück kommen auch verabschiedet bzw. empfangen – wie Helden, die die Nation retten, werden sie gefeiert.
Es fühlt sich komisch an nun in der Kühle und Ruhe des Starbucks zu sitzen, war man doch eben noch inmitten der jubelnden Menge. Aber die Kühle scheint auch gut zu tun, denn die Gemüter wirken erhitzt.
In dem Moment als ich euch diesen Beitrag online stellen wollte, wurden im Starbucks plötzlich alle Lichter ausgeschaltet und wir mussten so schnell wie möglich das Gebäude verlassen.
Da stand ich plötzlich mitten unter den Demonstrierenden. Also folgte ich dem Strom an Menschen zu der Bullen-Statue in Kadiköy. Ich kann es kaum beschreiben, es ist einfach Wahnsinn. Verrückt! Alle hat diese Welle ergriffen. Vor Mc Donalds weht die Atatürk Fahne, eine alte Oma winkt Fahne schwenkend aus dem Auto, der Busfahrer legt am Lenkrad gefühlt einen Stagedive hin, der Fährenkapitän lässt das Horn laut erklingen: alle wollen zeigen, ich bin mit dabei! Ich unterstütze die Bewegung.
Ich hab dann auch Berkay, einen jungen PhD Studenten, kennengelernt. Er war zuvor in Besiktas gewesen und hat erzählt, dass dort überall Tränengas ist. Menschen tragen Gasmasken und Taucherbrillen und die Tränengasbomben werden teilweise einfach in Häuser geworfen. Auch die Gesundheit von kleinen Babies soll durch das Gas angegriffen sein. Man erkennt die Stadt kaum wieder.
Es ist klar, die Türkei ist im Aufruhr und die Türken werden für ihre Rechte kämpfen! Die Kritik wird immer lauter, ob direkt oder indirekt:
"[..] freedom of expression, freedom of assembly, and the right to have peaceful protests are fundamentals of a democracy. I am not going to say anything further.”
(U.S. Ambassador to Ankara Francis Ricciardone about the Protests in Gezi Park, online in: www.hurriyetdailynews.com)
Hier aus der Sicht einer jungen Türkin!

Neuste Infos: Selbst unser kleines Kosuyolu protestiert! Überall klopfen Leute auf ihren Kochtöpfen, Lichter blinken und vom Highway her ertönt Dauerhupen!
AntwortenLöschen