Da saß ich gestern Abend im Starbucks
und hatte mich gerade dazu entschieden noch ein bisschen länger zu
bleiben, statt mich Zuhause türkischem Pärchenglück im Doppelpack
auszusetzen, als plötzlich das Licht ausgeschaltet wurde und wir
durch hektische Armbewegungen dazu aufgefordert wurden das Gebäude
so schnell wie möglich zu verlassen. Eine Menschenmenge an
Protestierenden zog vorbei und einige schlugen wild auf die
Eingangstüren ein. Ich schlüpfte als letzte noch schnell nach
draußen und da stand ich nun, mitten im Tumult und folgte der Menge
zum Bullen. Was dort los war, konntet ihr ja schon in meinem letzten
Eintrag lesen. Die Stadt steht Kopf.
Was ich aber eigentlich gestern Abend
im Starbuck begonnen hatte zu schreiben, war einmal wieder ein neuer
Bericht aus unserer Kosuyolu Caddesi.
Ja ein großes Ereignis fand diesen
Monat statt: Aliye Teyze traf auf ihre größten Fans! Und das musste
natürlich mit Tee und Gebäckstücken gefeiert werden – wie auch
sonst bei der guten Aliye.
Auch dass meine Gäste kein Türkisch
sprachen, störte sie keineswegs. Es wurde trotzdem unermüdlich auf
die drei in Türkisch eingeredet und wiedereinmal war einfach alles
„cok güzel“. Ganz besonders „cok güzel“ waren dabei Marisas
Haare. Ja die hatten es unserer Aliye Teyze wirklich angetan und als
sie dann noch dachte Marisa hätte einen türkischen Freund, konnte
sie ihre Begeisterung kaum mehr im Zaum halten. Ihr Enttäuschung
könnt ihr euch vorstellen, als es sich als Missverständnis
herausstellte.
Während Marisa also durch ihre
Haarpracht bestach, punktete Vanessa mit dem Wald-Modemagazin von
ihrer Ausbildungsstelle. Im Gegenzug soll Vanessa nun eine geschmackvolle,
bebilderte Metallbox bekommen, eine Werbegeschenk der derzeitig so
„beliebten“ AK Partei. (Ich hoffe ja nicht, dass sie das als
gleichwertiges Geschenk ansieht). Dorina hingegen beeindruckte uns
alle damit, wie gut ihr das Kopftuch stand.
Mit drei solchen „cok güzel“
Mädels ging es dann also für fünf Tage kreuz und quer durch
Istanbul und das abschließende Highlight des Besuches war nicht der
Besuch des Cafés Erbap in Cengelköy mit wunderschönem Blick
auf die Bosporusbrücke. Nein, es war die Busfahrt nach Hause.
Während ich die rasanten Busfahrten schon gewohnt bin und gar nicht
mehr wirklich wahrnehme, saßen meine Gäste wie drei verschreckte
Hühner auf den Bänken bzw. Vanessa, die sich gar nicht erst traute
die drei Schritte bis zum Sitzplatz zu gehen, klammerte sich vehement
an die Haltestange – sehr zur Belustigung unserer Mitfahrer.
Mit dem Mai ist auch mein Türkisch-Kurs
vorbei, und obwohl mich meine Lehrerin letztens noch so für mein
Türkisch gelobt hat – es war natürlich „cok güzel“ - hatte
es gestern nicht einmal für eine Bestellung bei Starbucks genügt.
Stellt euch vor, hätte die nette junge Dame neben mir nicht
übersetzt, wäre mir fast ein gratis Stück Kuchen durch die Lappen
gegangen. Unvorstellbar!
Dass der Türkisch Kurs vorbei ist, ist
zum einen Schade, zum anderen habe ich mich dort in letzter Zeit aber
auch sehr diskriminiert gefühlt. Wisst ihr wie das ist, wenn ALLE
gefragt werden, was sie am Wochenende mit ihrem türkischen Freund/
Ehemann machen und sobald die Reihe an mich „Partnerlose“ kommt,
wird aufgehört – tzz ich hätte ja auch erzählen können, was ich
mit Aliye Teyze am Wochenende unternehme. Echt gemein!
Naja ohne den Türkischkurs bleibt mehr
Zeit, die auch bitter nötig ist für meine Bachelorarbeit und die
Vorbereitung eines Vortrags über „Liebe in der Philosophie Ibn
Sinas“ für unsere Konferenz. Pünktlich zu Arbeitsbeginn unserer
neuen Praktikantin Sara ist auch unser Kräutergarten im Gülhane
Park angelegt worden und hat jetzt noch knapp drei Wochen um zu
wachsen und zu gedeihen – ebenso wie mein Vortrag, der aber noch
nicht „angelegt“ worden ist. Wie auch, hatten es sich Uni Bremen,
Prüfungsamt und Erasmus-Büro diesen Monat zur Aufgabe gemacht mir
ja keine Langeweile zu bescheren.
Langeweile die kam aber auch so nicht
auf. Neben einem Besuch meiner lieben Sophie, einem nebeligen
Nachmittag in Kadiköy und Mittagspausen mit dem „Lunch Buddy
Club“, der bisher nur aus Louis und mir besteht, waren Detlev und
ich auch auf einem Konzert des Musiktherapeuten Oruc Güvenc. Das war
sehr beeindruckend. Unter den Musizierenden waren auch viele
Deutsche, weshalb auch einige deutsche Volkslieder gesungen und sogar
gejodelt wurden – aber auf eine wirklich wunderschöne Weise.
Daneben war ich letztes Wochenende auf dem Babylon Soundgarden
Festival und drei Mal dürft ihr raten, welcher Stand mit am besten
gefallen hat. Na klaro, der Mavi-Kreativ-Stand – in mir steckt eben
immernoch die kleine Marina, die sich mit fünf Jahren immer sofort
nach dem Kindergarten an ihren Maltisch gesetzt hat.
Einen Abschluss fand dieser Monat am
Freitag, bei dem ich Katharina Zimmerbauer vom
christlich-muslimischen Forum und ihre derzeitige Reisegruppe zu
einem Besuch der Rüstem Pasa Moschee mit anschließendem Gespräch
mit dem Imam und Besuch der Pilgerstätte Eyüp begleitete und wieder
einmal viel dazu gelernt habe.






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