Sonntag, 2. Juni 2013

Da saß ich gestern Abend im Starbucks und hatte mich gerade dazu entschieden noch ein bisschen länger zu bleiben, statt mich Zuhause türkischem Pärchenglück im Doppelpack auszusetzen, als plötzlich das Licht ausgeschaltet wurde und wir durch hektische Armbewegungen dazu aufgefordert wurden das Gebäude so schnell wie möglich zu verlassen. Eine Menschenmenge an Protestierenden zog vorbei und einige schlugen wild auf die Eingangstüren ein. Ich schlüpfte als letzte noch schnell nach draußen und da stand ich nun, mitten im Tumult und folgte der Menge zum Bullen. Was dort los war, konntet ihr ja schon in meinem letzten Eintrag lesen. Die Stadt steht Kopf.

Was ich aber eigentlich gestern Abend im Starbuck begonnen hatte zu schreiben, war einmal wieder ein neuer Bericht aus unserer Kosuyolu Caddesi.
Ja ein großes Ereignis fand diesen Monat statt: Aliye Teyze traf auf ihre größten Fans! Und das musste natürlich mit Tee und Gebäckstücken gefeiert werden – wie auch sonst bei der guten Aliye.
Auch dass meine Gäste kein Türkisch sprachen, störte sie keineswegs. Es wurde trotzdem unermüdlich auf die drei in Türkisch eingeredet und wiedereinmal war einfach alles „cok güzel“. Ganz besonders „cok güzel“ waren dabei Marisas Haare. Ja die hatten es unserer Aliye Teyze wirklich angetan und als sie dann noch dachte Marisa hätte einen türkischen Freund, konnte sie ihre Begeisterung kaum mehr im Zaum halten. Ihr Enttäuschung könnt ihr euch vorstellen, als es sich als Missverständnis herausstellte.
Während Marisa also durch ihre Haarpracht bestach, punktete Vanessa mit dem Wald-Modemagazin von ihrer Ausbildungsstelle. Im Gegenzug soll Vanessa nun eine geschmackvolle, bebilderte Metallbox bekommen, eine Werbegeschenk der derzeitig so „beliebten“ AK Partei. (Ich hoffe ja nicht, dass sie das als gleichwertiges Geschenk ansieht). Dorina hingegen beeindruckte uns alle damit, wie gut ihr das Kopftuch stand.



Mit drei solchen „cok güzel“ Mädels ging es dann also für fünf Tage kreuz und quer durch Istanbul und das abschließende Highlight des Besuches war nicht der Besuch des Cafés Erbap in Cengelköy mit wunderschönem Blick auf die Bosporusbrücke. Nein, es war die Busfahrt nach Hause. Während ich die rasanten Busfahrten schon gewohnt bin und gar nicht mehr wirklich wahrnehme, saßen meine Gäste wie drei verschreckte Hühner auf den Bänken bzw. Vanessa, die sich gar nicht erst traute die drei Schritte bis zum Sitzplatz zu gehen, klammerte sich vehement an die Haltestange – sehr zur Belustigung unserer Mitfahrer. 


 



Mit dem Mai ist auch mein Türkisch-Kurs vorbei, und obwohl mich meine Lehrerin letztens noch so für mein Türkisch gelobt hat – es war natürlich „cok güzel“ - hatte es gestern nicht einmal für eine Bestellung bei Starbucks genügt. Stellt euch vor, hätte die nette junge Dame neben mir nicht übersetzt, wäre mir fast ein gratis Stück Kuchen durch die Lappen gegangen. Unvorstellbar!
Dass der Türkisch Kurs vorbei ist, ist zum einen Schade, zum anderen habe ich mich dort in letzter Zeit aber auch sehr diskriminiert gefühlt. Wisst ihr wie das ist, wenn ALLE gefragt werden, was sie am Wochenende mit ihrem türkischen Freund/ Ehemann machen und sobald die Reihe an mich „Partnerlose“ kommt, wird aufgehört – tzz ich hätte ja auch erzählen können, was ich mit Aliye Teyze am Wochenende unternehme. Echt gemein!

Naja ohne den Türkischkurs bleibt mehr Zeit, die auch bitter nötig ist für meine Bachelorarbeit und die Vorbereitung eines Vortrags über „Liebe in der Philosophie Ibn Sinas“ für unsere Konferenz. Pünktlich zu Arbeitsbeginn unserer neuen Praktikantin Sara ist auch unser Kräutergarten im Gülhane Park angelegt worden und hat jetzt noch knapp drei Wochen um zu wachsen und zu gedeihen – ebenso wie mein Vortrag, der aber noch nicht „angelegt“ worden ist. Wie auch, hatten es sich Uni Bremen, Prüfungsamt und Erasmus-Büro diesen Monat zur Aufgabe gemacht mir ja keine Langeweile zu bescheren. 



 Langeweile die kam aber auch so nicht auf. Neben einem Besuch meiner lieben Sophie, einem nebeligen Nachmittag in Kadiköy und Mittagspausen mit dem „Lunch Buddy Club“, der bisher nur aus Louis und mir besteht, waren Detlev und ich auch auf einem Konzert des Musiktherapeuten Oruc Güvenc. Das war sehr beeindruckend. Unter den Musizierenden waren auch viele Deutsche, weshalb auch einige deutsche Volkslieder gesungen und sogar gejodelt wurden – aber auf eine wirklich wunderschöne Weise. 





 Daneben war ich letztes Wochenende auf dem Babylon Soundgarden Festival und drei Mal dürft ihr raten, welcher Stand mit am besten gefallen hat. Na klaro, der Mavi-Kreativ-Stand – in mir steckt eben immernoch die kleine Marina, die sich mit fünf Jahren immer sofort nach dem Kindergarten an ihren Maltisch gesetzt hat.





Einen Abschluss fand dieser Monat am Freitag, bei dem ich Katharina Zimmerbauer vom christlich-muslimischen Forum und ihre derzeitige Reisegruppe zu einem Besuch der Rüstem Pasa Moschee mit anschließendem Gespräch mit dem Imam und Besuch der Pilgerstätte Eyüp begleitete und wieder einmal viel dazu gelernt habe.



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