Mittwoch, 1. Mai 2013

Iyi ki doğdun, Aliye Teyze!




Ja da strahlt sie, unser glückliches Geburtstagskind!
Und natürlich hatte ich mich extra für diesen Anlass in Schale geschmissen, was dann auch mit vielen Komplimenten gelobt wurde. Aber kurz darauf ging es los: „Warum trägst du denn keinen Lippenstift?“ Wieso wusste ich, dass diese Frage kommen würde?! Ich erklärt ihr, dass ich als armer Student mir in Istanbul bisher keinen geleistet habe, und ihr glaubt es kaum, innerhalb der nächsten 24 Stunde war ich gleich im Besitz zweier neuer Lippenstifte, einer davon war sogar ein Geburtstagsgeschenk gewesen. Ach Aliye Teyze, man verschenkt doch nichts weiter! Aber nachdem mit der Schenkerin lautstark diskutiert und offiziell entschieden wurde, dass ich diesen Lippenstift erhalten sollte, und er mir feierlich überreicht wurde, konnte ich mich auch nicht mehr wehren. Dafür habe ich dann aber brav den Kuchen gegessen. Natürlich gab es nicht nur Kuchen – das hätte auf einem Geburtstag der lieben Aliye ja auch stark verwundert: Erst bekam jeder(!!) einen Teller voller Börek und Kekse, dann erst folgte der Schokokuchen. 




Statt fand der Geburtstag übrigens in einem Café bei uns in Kosuyolu mit dem passenden Namen „Titiz“-was so viel heißt wie Ordnungsliebe bzw. die Liebe zur Reinlichkeit. Na nichts trifft meine liebe Aliye besser, stand sie doch letztens in ihrer Haustüre und war den Tränen nahe, denn jeden Tag müsse sie putzen, sie sei es so leid – guter Gott, stellt euch vor diese Frau hätte auch noch Kinder!
Kinder waren auf dem Geburtstag übrigens auch anwesend, aber ich bevorzugtes es den anderen die Bespaßung des kleinen Babys zu überlassen – wer weiß auf was für Ideen Aliye Teyze sonst noch gekommen wäre. Emsile Abla bot auch schon an mir einen türkischen Ehemann zu suchen. Ohja super Idee!
Wichtig waren an diesem Tag auch die Fotos und Aliye Teyze hatte im Laden nebenan einen „super“ Hintergrund gefunden, findet ihr nicht auch? 




Mein Geschenk war zwar kein BH, aber dafür habe ich ihr mit ganz viel Liebe eine Karte geschrieben und wunderschöne Blümchen, Wölkchen und eine Sonne dazu gemalt. Ach, was hat sie sich gefreut. Es hängt jetzt in ihrer Küche und ich warte nur auf den Tag, dass irgendwer fragt, wie alt das Kind denn sei, das diese Karte geschrieben hat. Meine guten Sarrotti-Pralinen dahingegen wurden aus der hübschen Box genommen und in einer Plastiktüte nach Hause transportiert. Nunja wir sind halt eben immer noch in der Türkei – ohne Plastiktüten geht einfach nichts. 
 


Dieses Kaffeetrinken hatte sie einen Tag vor ihrem eigentlichen Geburtstag veranstaltet, es hieß also am nächsten Tag noch einmal die gute Aliye zu bespaßen. Mit dem zweiten Lippenstift in der Hand stürmte sie am nächsten Tag unsere Wohnung und es ging auf nach Küçüksu. Der Verkehr war furchtbar, aber glaubt mir, Aliye Teyze weiß es auch im völlig überfüllten Bus einen Sitzplatz zu ergattern. Zunächst besuchten wir den alten Jagdpalast und Aliye Teyze betrieb mal wieder Heiratsmark. Aber erfolglos, denn, so erklärte sie dem heiratswilligen Museumsführer, wir seien für ihn leider nicht zu haben. Seyda sei verlobt, ich Ausländerin und Zeynep schlichtweg zu schlau für ihn. Ja ich, die Ausländerin - das durfte ich an diesem Tag auch noch ein zweites Mal spüren: Auf der Rückfahrt hatten wir einen äußerst temperamentvollen Busfahrer (vom schwarzen Meer meinte Seyda, denn da seien die alle so), der lauthals alle Mitfahrenden anbrüllte, damit sie sie ja nicht noch einmal ausversehen den Halteknopf drücken, obwohl sie gar nicht aussteigen wollen. Nunja was macht Marina? Dreimal dürft ihr raten? Bingo, den Halteknopf drücken! Ich dachte zwei Damen möchten aussteigen, stattdessen wollten sie mich aber nur warnen – tja dafür war es dann zu spät. Der Bus hielt, keiner stieg aus und der Busfahrer drehte sich mit drohender Miene nach hinten um – ich glaube, nie war mein Handy spannender gewesen! Und dann hieß es: „Der yabancı (Ausländer) wars!“ Na super! Schon richteten sich alle Blicke auf mich. Ich versuchte mein bestes Lächeln. Der Busfahrer schenkte mir einen bösen Blick, mehr aber auch nicht- ich hätte es ja eh nicht verstanden. Oder er hat gewusst, dass sonst Aliye Teyze kommt und zurück brüllt, denn die ist ja auch vom Kara Deniz (vom Schwarzen Meer) und ich bin noch dazu ihr „Kızım“ (ihr Mädchen)! Ha!




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen