Ja es scheint wohl die Weihnachtsfeiertage gebraucht zu haben, damit ich euch endlich einmal wieder aus Istanbul berichte - und das, obwohl ich gerade über Weihnachten in Deutschland bin und das gute deutsche Essen und die ländliche Ruhe genieße. Aber am Samstag wird es schon wieder zurück gehen, zurück ins bunte und laute Istanbul.
Dass Istanbul so bunt und laut und
lebhaft ist, wurde mit wiedereinmal mehr bewusst, als Sophie und ich
ein neues Reiseziel besuchten: Diesmal hieß es ab in die Hauptstadt.
Sophie hat in Ankara ein Praktikum geplant und so beschlossen wir die
Ferien Ende November zu nutzen, um uns einmal einen eigenen Eindruck
von der Stadt zu machen, die alle nur als langweilig und grau
beschrieben. Umso überraschter waren wir deshalb bei unserer
Ankunft. Denn uns gefiel die Stadt wirklich gut. Ob das wohl an dem
europäischen Erscheinungsbild lag? Ein großes Stadtzentrum, riesige
Shoppingcenter, breite geordnete Straßen, weniger Verkehr als in
Istanbul...
Übernachten konnten wir bei Kirsten,
einer Kommilitonin aus Bremen. Wir genossen diese größtenteils
Touristen-leere Stadt und besuchten das Atatürk Mausoleum, von dem
aus man eine unglaubliche Aussicht hat. Hier entstand auch ein neues
Spiel: Wer erspäht mehr Türkei-Flaggen?! Tja also zu wenig
Nationalstolz kann man den Türken wahrlich nicht vorwerfen!!
Aber auch zurück in Istanbul wurde mir
nicht langweilig. Mit Sedat, meinem „Museumsfreund“, wie ich ihn
so gerne nenne (weil er alle Museen in Istanbul besuchen möchte),
besuchte ich die größte Buchmesse in Istanbul, die alljährlich vom
„Tüyap“- Buchhandel abgehalten wird. Dort durfte ich
feststellen, dass auch die türkische Jugend eine meiner
Lieblingskrimis kenn!
Adventszeit in der Türkei
| Ein Laden in Ankara |
Zugegeben so richtig in
Weihnachtsstimmung kam ich in Istanbul nicht. Das konnte auch der
Besuch des Deutschen Weihnachtsmarktes an der deutschen
Botschaftsschule nicht ganz ändern. Für Leckereien wie Käse,
Lebkuchen, Weihnachtsgebäck etc. musste man sich sogar über eine
Stunde anstellen, was ich aber gerne in Kauf nahm und drei
Adventskalender für die WG ergatterte sowie leckeren Stollen
probierte. Und noch viel besser: Es gab Kassler mit Sauerkraut!! Das
konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen!! Plätzchen gab es dort auch zu kaufen, aber die haben wir natürlich
lieber selbst gebacken!!
Zu meiner Überraschung gab es sogar
relativ viel Weihnachtsdekoration und auch in den Geschäften war
viel davon zu kaufen. Dies ist in Istanbul allerdings nicht für
Weihnachten gedacht, sondern ist hier sozusagen zu einer Tradition
für Neujahr geworden. Tatsächlich werden dann auch kleine Geschenke
überreicht und einige kennen sogar so etwas wie Wichteln. Der
„Weihnachts-Konsum“ wird hier also stattdessen auf Neujahr
umgeleitet.
| Der Weihnachtsbaum auf dem Deutschen Weihnachtsmarkt |
| Kassler |
| Plätzchenbacken |
Neben Weihnachtsmarkt, Plätzchen und
selbstgemachtem Glühwein, bastelte ich uns auch einen Adventskranz
und musste mich mit der Türkischen Post herumschlagen. Denn nachdem
ich endlich herausgefunden hatte, dass sich das Weihnachtspäckchen
meiner Mutter in Kadiköy auf der Poststation befindet, hieß dies
noch lange nicht, dass ich es auch bekam. Nein, da es nur auf den
Namen meiner Mitbewohnerin registriert war, konnte ich mein eigenes
Päckchen nicht abholen. Am 18.Dezember hatte ich es dann endlich in
Händen und wenige Tage später trudelte ein weiteres Päckchen ein,
so dass wir in der letzten Woche vor Weihnachten aus dem
Plätzchen-Essen gar nicht mehr herauskamen.
| Weihnachtspäckchen |
Ich werde mich auch nie mehr über
Regen in Bremen beschweren, denn Istanbul schlägt es bei weitem.Und
da es hier nicht mal richtige Abflusskanäle gibt, habe ich mir hier
wie viele Türkinnen und Türken Gummistiefel zugelegt. Kurz vor
meinem Abflug gab es dann auch noch Schnee-Chaos. Nicht dass es so
unglaublich viel Schnee gewesen wäre, aber in einer 13 Millionen
Stadt ohne Winterreifen und Streudienst verursacht das ganz schnell
Unfälle, Stau, Fähren, die nicht mehr fahren und Flüge, die
verspätet sind – mein Flug allerdings nicht und so kam ich
pünktlich am Freitag hier in Frankfurt an.
| Und es regnet und es regnet und es regnet... |
MUTLU NOELLER
Eure Marina
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