Hallo meine Lieben,
mein Oktober lässt sich kurz und
knackig auf zwei Tätigkeiten beschränken: Krank sein und Reisen.
Aber wollen wir uns lieber nur den schönen Dingen widmen, meinen
Reisen:
12.-14. Okotber - Kappadokien
Übers
Wochenende nahmen ein paar andere Studenten und ich an einer
organisierten Tour nach Kappadokien teil. Kappadokien ist eine
Landschaft in Zentralanatolien. Die Gegend ist besonders für ihre
Felsformationen und die dortige aus dem Felsen gehauene
Höhlenarchitektur berühmt. Das Zentrum bildet Göreme und ist seit
1985 UNESCO-Weltkulturerbe.
Es ist absolut
sehenswert und landschaftlich sehr schön - definitiv eine Reise
wert! (Auch wenn man dabei zwei Übernacht-Busfahrten auf sich nehmen
musste!!)
19.-21.Oktober – Izmir
Am Freitag
pünktlich zum Ferienstart begann für Sophie und mich unsere
gemeinsame Reise. Mit dem Bus ging es Richtung Izmir. Der Bus ist in
der Türkei übrigens das Haupt-Fernstrecken-Transportmittel: es gibt
ein Unterhaltungsprogramm in Form einer Auswahl an türkischen Filmen/TV-Programm/Musiksendern mit jeweiligem Bildschirm am
Sitzplatz, sowie einen „Steward“, der mit einem kleinen Wagen
kostenlose Getränke und Kekse verteilt. Alles erinnert etwas an
einen Flug, nur das man eben nicht fliegt. Ein Mann und eine Frau,
die sich nicht persönlich kennen, dürfen in solchen Bussen übrigens
nicht nebeneinander sitzen. Ein männlicher Erasmus-Student erzählte,
er sei einmal versehentlich neben eine junge Frau gesetzt worden, die
daraufhin sehr nervös wurde, während er von allen Seiten sehr böse und
verachtende Blicke erntete. In Ankara, wo er studiert, ist dies auch
die Regel in den öffentlichen Bussen und Minibussen. Das war mir
zuvor völlig fremd, da es diese Konventionen in Istanbul nicht gibt.
Am späten Abend
kamen wir in Izmir an. Übernachten konnten wir in der Wohnung einer
Freundin von Sophies Mitbewohnerin. Izmir ist mit ca. drei Millionen
Einwohnern die drittgrößte Stadt in der Türkei. Sowohl Seyda, als
auch viele andere hatten uns immer wieder von dieser Stadt
vorgeschwärmt, wir selbst waren aber eher enttäuscht von der Stadt
und hatten irgendwie mehr erwartet. Trotzdem hatten wir eine schöne
Zeit dort,wir versuchten viel verschiedenes türkisches
Gebäck, besuchten den Bazar und die Angora, genossen die tolle
Aussicht auf die Berge ringsherum, erlebten wunderschöne
Sonnenuntergänge und taten das, was Anthropologen nun mal so tun - da sitzen, Tee trinken und beobachten.
| Die Agora in Izmir |
| Berge in Izmir |
| Das Renternerdasein in Izmir |
22.-23.Oktober
Selcuk und Efes
Am Montag fuhren
wir mit dem Minibus nach Selcuk, ließen aber unsere großen
Rucksäcke in der Wohnung in Izmir und nahmen nur das Nötigste mit
(was sich dank Regenguss als Fehler herausstellen sollte!!). Selcuk
liegt ca. 75 km südlich von Izmir und bietet eine gute
Übernachtungsmöglichkeit, um das nah gelegene antike Ephesos zu
besuchen. Nach unserer Ankunft entspannten wir in unserem Hostel
erst einmal auf der Dachterrasse, bevor es anschließend mit den viel
zu kleinen, aber kostenlos entleihbaren Mountainbikes auf eine kleine
Tour durch Selcuk ging. Glücklich über diese (von unseren Bremer
Zeiten so gewohnte und daher momentan so sehnlich vermisste) Art der
Fortbewegung fuhren wir zur Burg, der St. John's Basilica, der
Isabey-Moschee und hatten anschließend guten Latte Macchiato
im St. John's Cafe.
Am daurauf
folgenden Tag ging es dann nach Ephesos. Ich war begeistert. Wozu
hatte man denn schließlich Latein-LK! Endlich konnte ich mal sehen, was die da fabriziert hatten. Die Celsus-Bibliothek war echt beeindrucken, zumal ich dazu
schon ein trockenes Referat gehalten habe. Jetzt wurden die Inhalte zum Leben erweckt. Auch toll waren die sogenannten
Hanghäuser, in denen noch viele Wandmalereien und Mosaiken erhalten
sind. Auf unserem Rückweg begann es nun aber leider zu regnen und so
waren wir völlig durchnässt bis wir am Hostel ankamen. Allerdings
hatten wir, wie ja schon erwähnt, nur minimal gepackt und mussten
uns so mit Schlafanzugshosen etc. zu trockener Kleidung behelfen.
Hier sah Sophie dann auch den Punkt gekommen ihre Wollmütze
einzuweihen. Mit diesem schicken Outfit und in der Hoffnung auf
einen wärmenden und wohltuenden Latte Macchiato machten wir uns auf den Weg zum St. Johns Cafe, wo uns die deutsche Besitzerin
erklärte, dies sei der erste Regen seit dem Frühjahr (juhu wir
haben ja ein super Timing) und es sei Stromausfall (einmal Regen und
schon sind die Türken überfordert). Mit Kräutertee konnte sie uns
allerdings trotzdem versorgen und wir waren gerettet. Einige Zeit
später machten wir uns dann auf den Weg zurück nach Izmir, wo wir noch einmal
übernachten.
| Eine Radtour durch Selcuk |
| Wandmalereien in den Hanghäusern |
| Die Hanghäuser - ehemalige römische Wohnkomplexe |
| Die Celsus Bibliothek in Ephesos |
24.-25.Oktober – Bodrum
Ob wir nach
Bodrum fahren sollten oder nicht, hatten Sophie und ich lange
überlegt, da es mehr als eine Art Party-Metropole gilt. Der Gedanke
mit einer Fähre rüber auf die griechische Insel Kos zu fahren,
überzeugte uns dann aber doch und so saßen wir am Mittwoch morgen
im Bus auf dem Weg nach Bodrum (auch wenn die Kos-Fahrt dann doch nicht stattfand). Trotz Warnungen checkten wir in das
(einzige) Backpacker-Hostel ein und erkannten schnell, weshalb uns
davon abgeraten worden war. Mustafa, der Angestellte oder eben auch Nicht-Angestellte, erklärte uns
zur Begrüßung erst einmal, dass er eigentlich nur seinen Freund,
der über die Bayram-Ferien zu seiner Familie verreist sei, vertrete,
sich eigentlich aber um gar nichts kümmern sollte – aha das ist ja
interessant, so sah das Bad und das restlich Hostel nämlich auch
aus. Noch dazu hatten wir Unterhose-Oma (eine ältere Dame, die nur
mit einem Buch und einer Plastiktüte reiste, daher jeden Tag ihre
Unterhose am Waschbecken wusch und danach zum Trocknen an unserem
Bett oder dem Fenster drapierte - tja Leute, das nennen ich mal Nachhaltigkeit!!) und Mr Unbekannt, er ging nach uns
zu Bett und verließ vor uns das Hostel, machte sich in diesem
Zeitraum aber dank seinem ununterbrochenen Schnarchen trotzdem
bemerkbar. Und sobald er endlich verschwunden und es somit ruhig war,
weckte uns ein unbekannter Ausruf des Imams. Das Opferfest hatte
begonnen und die männlichen Muslime besuchten die Moschee. Da der
Andrang so groß war, knieten viele auch auf Zeitungen vor der Moschee
und die Predigt wurde über Lautsprecher nach draußen übertragen.
Am Abend zuvor waren wir zu den Windmühlen gewandert und hatten vonr dort den Sonnenuntergang beobachte. An diesem, unserem zweiten Tag, legten
wir uns in Bodrum an den Strand und besuchten anschließend die Burg
– dort sind viele architektonische Funde aus gesunkenen Schiffen
ausgestellt. Nach nicht viel mehr als 24 Sttunden in Bodrum machten
wir uns weiter auf den Weg nach Denizli und hofften dort noch einen
der letzten Minibusse nach Pamukkale zu erreichen. Aber mit dem
Kamil-Koc-Busunternehmen schien es nicht voranzugehen und noch dazu:
keine Kekse! Dafür durften wir aber mitbekommen, wie sich Busfahrer
und Steward Fastfood bestellten, um es dann in einer völlig
unnötigen Rast zu essen. Da saßen wir an einem kleinen Rastplatz in der Mitte von nirgendwo
und warten darauf, dass die Herren endlich mal fertig wurden. Aber
nunja wir hatten ja genügend Unterhaltung: sei es wir blickten nach
draußen, wo sie wieder saßen, die türkischen Senioren: zwei
Stühlchen, ein Tischlein und ein bisschen Cay und schon sind die
Herren zufriedengestellt – so können die Türken anscheinend
Stunden verbringen – oder sei es wir schauten auf unseren
Bildschirmen die türkischen Nachrichten, die durchgängig von Fällen
ausgebrochenen Rindern berichteten – aha das ist also das türkische
Opferfest, die Opfer laufen erstmal davon. Uns lief allerdings keines vor den Bus und so kamen wir dann auch irgendwann in Denizli und nach einer weitern Taxi-Fahrt schließlich in Pamukkale an.
| Bodrum |
| Auf dem Weg nach Bodrum |
26.-27.Oktober – Pamukkale
Pamukkale ist
eine Kleinstadt in der Nähe der von Denizli. Bekannt ist der Ort
wegen der angrenzenden Kalksteinterassen mit ihren kalkhaltigen
Thermalquellen, die zum UNESCO Weltkulturerbe zählen. Ich fand das
wirklich sehr beeindruckend und echt sehenswert. Es erinnert von
weitem an eine Schneelandschaft. Hier verbrachten wir dann auch den
ganzen Tag, sahen uns die oberhalb der Terrassen liegenden römischen
Ruinen der Stadt Hierapolis an, genossen die tolle Aussicht und
badeten in den (nicht unbedingt warmen) Quellen.
Am Abend
landeten wir in einem türkischen Lokal. Auf unser Essen mussten wir
leider etwas länger warten. Das war es aber wert, allein schon um
das bunte Treiben um uns herum zu beobachten: Da gab es einmal den
türkischen Wirt Giovanni aus Köln (alles ein Widerspruch an sich
meiner Meinung nach), der seine Deutsch-Kenntnisse zum Besten gab,
auch bei den Japanern neben uns. Dann war da noch das koreanische
Pärchen, das ewig auf ihre Rechnung zu warten schien, anstatt die
Ellebogen-Taktik der Türken anzuwenden, und einfach fünfmal nach
der Rechnung zu fragen oder gleich an die Kasse zu gehen. Und da war die Mutter der türkischen Familie hinter uns, die ganz heiß darauf war
sich mit den Japanern für's Familienalbum fotografieren lassen,
während der Vater seinen schon geöffneten Ayran schütteln wollte,
was wortwörtlich in die Hose ging, während ihr kleiner, verspielter Hund
die ganze bizarre Szene durch lautes Gebell und wildes Umhergerenne
untermalte.
Wir übernachteten in einem Hotel mit Pool und Frühstücksbuffet und das zum gleichen Preis wie in dem heruntergekommenen Backpacker Hostel in Bodrum. Da Pamukkale ansonsten allerdings nicht viel zu bieten hatte, ging es am nächsten Tag wieder weiter mit dem Kamil-Koc-Bus. Diesmal zwar mit Keksen, dafür aber anscheinend stimmlosem Steward. Er schien wohl weder uns zuzutrauen Türkisch zu verstehen, noch sich selbst Englisch zu sprechen. Als er dann wie ein verrückter auf seine Uhr hämmert, um die Ankunftszeit anzugeben, half ich dem armen Kerl aber dann doch mal auf die Spur und ließ verlauten, dass ich türkischen Zahlen verstehe und schwupps schon war das Stimmproblem gelöst.
Wir übernachteten in einem Hotel mit Pool und Frühstücksbuffet und das zum gleichen Preis wie in dem heruntergekommenen Backpacker Hostel in Bodrum. Da Pamukkale ansonsten allerdings nicht viel zu bieten hatte, ging es am nächsten Tag wieder weiter mit dem Kamil-Koc-Bus. Diesmal zwar mit Keksen, dafür aber anscheinend stimmlosem Steward. Er schien wohl weder uns zuzutrauen Türkisch zu verstehen, noch sich selbst Englisch zu sprechen. Als er dann wie ein verrückter auf seine Uhr hämmert, um die Ankunftszeit anzugeben, half ich dem armen Kerl aber dann doch mal auf die Spur und ließ verlauten, dass ich türkischen Zahlen verstehe und schwupps schon war das Stimmproblem gelöst.
| Die Ruinen in Hierapolis |
| Die Kalksteinterrassen in Pamukkale |
28.-29.Oktober - Antalya
In Antalya
angekommen wurden wir von einem hefigen Regenguss erwartet und zum
Glück von unserem Couch-Surfer abgeholt. In seiner Wohnung am
Koonalti Strand hatten wir auch unser eigenes Zimmer samt Bad und
Balkon und verabschiedeten uns recht bald ins Bett.
Die Lage von
Antalya ist beeindruckend – direkt am Meer, aber ringsherum Berge.
Zunächst frühstückten wir mit den beiden Couchsurfern im Yesil Vaha Park, einem
kleinen ruhigen Park am Fuß der Berge, das ein beliebter
Sonntagsausflug für Familien in Antalya bildet, und fuhren dann gemeinsam von dort
aus weiter zur antiken Hafenstadt Olympos.
Das war sehr erholsam und landschaftlich wunderschön. Anschließend
ging es zum nah gelegenen Cirali-Strand, wo der Onkel unseres
Couchsurfers ein Hotel hat und uns ganz nach türkischer Gesinnung zum
Essen mit anschließendem Cay einlud, und uns am liebsten noch dort
hätte übernachten lassen – achja die Türken und ihre
Gastfreundlichkeit und engen Familienbande!! Zum Abschluss stiegen
wir noch zu den Chiamera-Feuern, das sind Feuer die auf natürliche
Weise (Methan-Gas) aus dem Berg hervorkommen. Der Aufstieg erinnerte
an eine Nachtwanderung und auch am Feuer zu sitzen, mit vielen
Gruppen herum die dort sogar Würstchen grillten, hatte etwas von
Zeltlager.
Am kommenden
Tag war dann Atatürk-/ Republik-Tag und im Fernsehn gab es die
Live-Übertragungen der großen Feierlichkeiten in Ankara. Auch in
Antalya selbst war eine Bühne aufgebaut. Wir sahen eine
„Pro-Atatürk“-Demo vorbeiziehen und Menschen fuhren
Fahnen-schwenkend durch die Stadt. In Istanbul gab es aber deutlich
mehr. Vor allem ein großes Feuerwerk an der Bosphorus-Brücke. In Antalya selbst ließen wir
uns einfach nur durch die Straßen treiben und genossen unseren
letzten Reisetag. In einem Laden wurde auch deutsche Musik gespielt und zeigt einmal wieder wie viel versteckte Ironie die Türkei doch zu bieten hat: Zum dem Song-Text „Wir sind hemmungslos die ganze Nacht“ kauften dort die (häufig doch noch sehr auf ihre Jungfäulichkeit bedachten) jungen Türkinnen ein. Wie gut, dass sie den Text nicht verstanden...
Der Tag endet mit einem Sonnenuntergang an der "Marina".
| Ein türkisches Frühstück |
![]() |
| Antalyas Berge |
| Olympos |
| Manti |
![]() |
| Marina an der Marina |
Nach 12
erlebnis- und abwechslungsreichen Tagen deutlich erschöpft ging es
dann am 30. Oktober per Flugzeug zurück nach Istanbul. Auf unserer Reise haben wir
wirklich Verschiedenstes gesehen und erlebt und viele Eindrücke dazu
gewonnen. Die Türkei hat eine wirklich beeindruckende Landschaft zu
bieten.
Jetzt hat mich
aber das laute und bunte Istanbul wieder und die ersten Mid-Term
Klausuren und Essays stehen vor der Tür...
Görüşürüz,
Marina



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