Sonntag, 4. November 2012

Und wir reisen durch den Oktober...

Hallo meine Lieben,

mein Oktober lässt sich kurz und knackig auf zwei Tätigkeiten beschränken: Krank sein und Reisen. Aber wollen wir uns lieber nur den schönen Dingen widmen, meinen Reisen:

12.-14. Okotber - Kappadokien
Übers Wochenende nahmen ein paar andere Studenten und ich an einer organisierten Tour nach Kappadokien teil. Kappadokien ist eine Landschaft in Zentralanatolien. Die Gegend ist besonders für ihre Felsformationen und die dortige aus dem Felsen gehauene Höhlenarchitektur berühmt. Das Zentrum bildet Göreme und ist seit 1985 UNESCO-Weltkulturerbe.
Es ist absolut sehenswert und landschaftlich sehr schön - definitiv eine Reise wert! (Auch wenn man dabei zwei Übernacht-Busfahrten auf sich nehmen musste!!)

19.-21.Oktober – Izmir
Am Freitag pünktlich zum Ferienstart begann für Sophie und mich unsere gemeinsame Reise. Mit dem Bus ging es Richtung Izmir. Der Bus ist in der Türkei übrigens das Haupt-Fernstrecken-Transportmittel: es gibt ein Unterhaltungsprogramm in Form einer Auswahl an türkischen Filmen/TV-Programm/Musiksendern mit jeweiligem Bildschirm am Sitzplatz, sowie einen „Steward“, der mit einem kleinen Wagen kostenlose Getränke und Kekse verteilt. Alles erinnert etwas an einen Flug, nur das man eben nicht fliegt. Ein Mann und eine Frau, die sich nicht persönlich kennen, dürfen in solchen Bussen übrigens nicht nebeneinander sitzen. Ein männlicher Erasmus-Student erzählte, er sei einmal versehentlich neben eine junge Frau gesetzt worden, die daraufhin sehr nervös wurde, während er von allen Seiten sehr böse und verachtende Blicke erntete. In Ankara, wo er studiert, ist dies auch die Regel in den öffentlichen Bussen und Minibussen. Das war mir zuvor völlig fremd, da es diese Konventionen in Istanbul nicht gibt.
Am späten Abend kamen wir in Izmir an. Übernachten konnten wir in der Wohnung einer Freundin von Sophies Mitbewohnerin. Izmir ist mit ca. drei Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt in der Türkei. Sowohl Seyda, als auch viele andere hatten uns immer wieder von dieser Stadt vorgeschwärmt, wir selbst waren aber eher enttäuscht von der Stadt und hatten irgendwie mehr erwartet. Trotzdem hatten wir eine schöne Zeit dort,wir versuchten viel verschiedenes türkisches Gebäck, besuchten den Bazar und die Angora, genossen die tolle Aussicht auf die Berge ringsherum, erlebten wunderschöne Sonnenuntergänge und taten das, was Anthropologen nun mal so tun - da sitzen, Tee trinken und beobachten.
Die Agora in Izmir



Berge in Izmir

Das Renternerdasein in Izmir

22.-23.Oktober Selcuk und Efes
Am Montag fuhren wir mit dem Minibus nach Selcuk, ließen aber unsere großen Rucksäcke in der Wohnung in Izmir und nahmen nur das Nötigste mit (was sich dank Regenguss als Fehler herausstellen sollte!!). Selcuk liegt ca. 75 km südlich von Izmir und bietet eine gute Übernachtungsmöglichkeit, um das nah gelegene antike Ephesos zu besuchen. Nach unserer Ankunft entspannten wir in unserem Hostel erst einmal auf der Dachterrasse, bevor es anschließend mit den viel zu kleinen, aber kostenlos entleihbaren Mountainbikes auf eine kleine Tour durch Selcuk ging. Glücklich über diese (von unseren Bremer Zeiten so gewohnte und daher momentan so sehnlich vermisste) Art der Fortbewegung fuhren wir zur Burg, der St. John's Basilica, der Isabey-Moschee und hatten anschließend guten Latte Macchiato im St. John's Cafe.
Am daurauf folgenden Tag ging es dann nach Ephesos. Ich war begeistert. Wozu hatte man denn schließlich Latein-LK! Endlich konnte ich mal sehen, was die da fabriziert hatten. Die Celsus-Bibliothek war echt beeindrucken, zumal ich dazu schon ein trockenes Referat gehalten habe. Jetzt wurden die Inhalte zum Leben erweckt. Auch toll waren die sogenannten Hanghäuser, in denen noch viele Wandmalereien und Mosaiken erhalten sind. Auf unserem Rückweg begann es nun aber leider zu regnen und so waren wir völlig durchnässt bis wir am Hostel ankamen. Allerdings hatten wir, wie ja schon erwähnt, nur minimal gepackt und mussten uns so mit Schlafanzugshosen etc. zu trockener Kleidung behelfen. Hier sah Sophie dann auch den Punkt gekommen ihre Wollmütze einzuweihen. Mit diesem schicken Outfit und in der Hoffnung auf einen wärmenden und wohltuenden Latte Macchiato machten wir uns auf den Weg zum St. Johns Cafe, wo uns die deutsche Besitzerin erklärte, dies sei der erste Regen seit dem Frühjahr (juhu wir haben ja ein super Timing) und es sei Stromausfall (einmal Regen und schon sind die Türken überfordert). Mit Kräutertee konnte sie uns allerdings trotzdem versorgen und wir waren gerettet. Einige Zeit später machten wir uns dann auf den Weg zurück nach Izmir, wo wir noch einmal übernachten.

Eine Radtour durch Selcuk


Wandmalereien in den Hanghäusern

Die Hanghäuser - ehemalige römische  Wohnkomplexe

Die Celsus Bibliothek in Ephesos
 24.-25.Oktober – Bodrum
Ob wir nach Bodrum fahren sollten oder nicht, hatten Sophie und ich lange überlegt, da es mehr als eine Art Party-Metropole gilt. Der Gedanke mit einer Fähre rüber auf die griechische Insel Kos zu fahren, überzeugte uns dann aber doch und so saßen wir am Mittwoch morgen im Bus auf dem Weg nach Bodrum (auch wenn die Kos-Fahrt dann doch nicht stattfand). Trotz Warnungen checkten wir in das (einzige) Backpacker-Hostel ein und erkannten schnell, weshalb uns davon abgeraten worden war. Mustafa, der Angestellte oder eben auch Nicht-Angestellte, erklärte uns zur Begrüßung erst einmal, dass er eigentlich nur seinen Freund, der über die Bayram-Ferien zu seiner Familie verreist sei, vertrete, sich eigentlich aber um gar nichts kümmern sollte – aha das ist ja interessant, so sah das Bad und das restlich Hostel nämlich auch aus. Noch dazu hatten wir Unterhose-Oma (eine ältere Dame, die nur mit einem Buch und einer Plastiktüte reiste, daher jeden Tag ihre Unterhose am Waschbecken wusch und danach zum Trocknen an unserem Bett oder dem Fenster drapierte - tja Leute, das nennen ich mal Nachhaltigkeit!!) und Mr Unbekannt, er ging nach uns zu Bett und verließ vor uns das Hostel, machte sich in diesem Zeitraum aber dank seinem ununterbrochenen Schnarchen trotzdem bemerkbar. Und sobald er endlich verschwunden und es somit ruhig war, weckte uns ein unbekannter Ausruf des Imams. Das Opferfest hatte begonnen und die männlichen Muslime besuchten die Moschee. Da der Andrang so groß war, knieten viele auch auf Zeitungen vor der Moschee und die Predigt wurde über Lautsprecher nach draußen übertragen. Am Abend zuvor waren wir zu den Windmühlen gewandert und hatten vonr dort den Sonnenuntergang beobachte. An diesem, unserem zweiten Tag, legten wir uns in Bodrum an den Strand und besuchten anschließend die Burg – dort sind viele architektonische Funde aus gesunkenen Schiffen ausgestellt. Nach nicht viel mehr als 24 Sttunden in Bodrum machten wir uns weiter auf den Weg nach Denizli und hofften dort noch einen der letzten Minibusse nach Pamukkale zu erreichen. Aber mit dem Kamil-Koc-Busunternehmen schien es nicht voranzugehen und noch dazu: keine Kekse! Dafür durften wir aber mitbekommen, wie sich Busfahrer und Steward Fastfood bestellten, um es dann in einer völlig unnötigen Rast zu essen. Da saßen wir an einem kleinen Rastplatz in der Mitte von nirgendwo und warten darauf, dass die Herren endlich mal fertig wurden. Aber nunja wir hatten ja genügend Unterhaltung: sei es wir blickten nach draußen, wo sie wieder saßen, die türkischen Senioren: zwei Stühlchen, ein Tischlein und ein bisschen Cay und schon sind die Herren zufriedengestellt – so können die Türken anscheinend Stunden verbringen – oder sei es wir schauten auf unseren Bildschirmen die türkischen Nachrichten, die durchgängig von Fällen ausgebrochenen Rindern berichteten – aha das ist also das türkische Opferfest, die Opfer laufen erstmal davon. Uns lief allerdings keines vor den Bus und so kamen wir dann auch irgendwann in Denizli und nach einer weitern Taxi-Fahrt schließlich in Pamukkale an.


Bodrum

Auf dem Weg nach Bodrum

26.-27.Oktober – Pamukkale
Pamukkale ist eine Kleinstadt in der Nähe der von Denizli. Bekannt ist der Ort wegen der angrenzenden Kalksteinterassen mit ihren kalkhaltigen Thermalquellen, die zum UNESCO Weltkulturerbe zählen. Ich fand das wirklich sehr beeindruckend und echt sehenswert. Es erinnert von weitem an eine Schneelandschaft. Hier verbrachten wir dann auch den ganzen Tag, sahen uns die oberhalb der Terrassen liegenden römischen Ruinen der Stadt Hierapolis an, genossen die tolle Aussicht und badeten in den (nicht unbedingt warmen) Quellen.
Am Abend landeten wir in einem türkischen Lokal. Auf unser Essen mussten wir leider etwas länger warten. Das war es aber wert, allein schon um das bunte Treiben um uns herum zu beobachten: Da gab es einmal den türkischen Wirt Giovanni aus Köln (alles ein Widerspruch an sich meiner Meinung nach), der seine Deutsch-Kenntnisse zum Besten gab, auch bei den Japanern neben uns. Dann war da noch das koreanische Pärchen, das ewig auf ihre Rechnung zu warten schien, anstatt die Ellebogen-Taktik der Türken anzuwenden, und einfach fünfmal nach der Rechnung zu fragen oder gleich an die Kasse zu gehen. Und da war die Mutter der türkischen Familie hinter uns, die ganz heiß darauf war sich mit den Japanern für's Familienalbum fotografieren lassen, während der Vater seinen schon geöffneten Ayran schütteln wollte, was wortwörtlich in die Hose ging, während ihr kleiner, verspielter Hund die ganze bizarre Szene durch lautes Gebell und wildes Umhergerenne untermalte.
Wir übernachteten in einem Hotel mit Pool und Frühstücksbuffet und das zum gleichen Preis wie in dem heruntergekommenen Backpacker Hostel in Bodrum. Da Pamukkale ansonsten allerdings nicht viel zu bieten hatte, ging es am nächsten Tag wieder weiter mit dem Kamil-Koc-Bus. Diesmal zwar mit Keksen, dafür aber anscheinend stimmlosem Steward. Er schien wohl weder uns zuzutrauen Türkisch zu verstehen, noch sich selbst Englisch zu sprechen. Als er dann wie ein verrückter auf seine Uhr hämmert, um die Ankunftszeit anzugeben, half ich dem armen Kerl aber dann doch mal auf die Spur und ließ verlauten, dass ich türkischen Zahlen verstehe und schwupps schon war das Stimmproblem gelöst.

Die Ruinen in Hierapolis




Die Kalksteinterrassen in Pamukkale


28.-29.Oktober - Antalya
In Antalya angekommen wurden wir von einem hefigen Regenguss erwartet und zum Glück von unserem Couch-Surfer abgeholt. In seiner Wohnung am Koonalti Strand hatten wir auch unser eigenes Zimmer samt Bad und Balkon und verabschiedeten uns recht bald ins Bett.
Die Lage von Antalya ist beeindruckend – direkt am Meer, aber ringsherum Berge. Zunächst frühstückten wir mit den beiden Couchsurfern im Yesil Vaha Park, einem kleinen ruhigen Park am Fuß der Berge, das ein beliebter Sonntagsausflug für Familien in Antalya bildet, und fuhren dann gemeinsam von dort aus weiter zur antiken Hafenstadt Olympos. Das war sehr erholsam und landschaftlich wunderschön. Anschließend ging es zum nah gelegenen Cirali-Strand, wo der Onkel unseres Couchsurfers ein Hotel hat und uns ganz nach türkischer Gesinnung zum Essen mit anschließendem Cay einlud, und uns am liebsten noch dort hätte übernachten lassen  – achja die Türken und ihre Gastfreundlichkeit und engen Familienbande!! Zum Abschluss stiegen wir noch zu den Chiamera-Feuern, das sind Feuer die auf natürliche Weise (Methan-Gas) aus dem Berg hervorkommen. Der Aufstieg erinnerte an eine Nachtwanderung und auch am Feuer zu sitzen, mit vielen Gruppen herum die dort sogar Würstchen grillten, hatte etwas von Zeltlager.
Am kommenden Tag war dann Atatürk-/ Republik-Tag und im Fernsehn gab es die Live-Übertragungen der großen Feierlichkeiten in Ankara. Auch in Antalya selbst war eine Bühne aufgebaut. Wir sahen eine „Pro-Atatürk“-Demo vorbeiziehen und Menschen fuhren Fahnen-schwenkend durch die Stadt. In Istanbul gab es aber deutlich mehr. Vor allem ein großes Feuerwerk an der Bosphorus-Brücke. In Antalya selbst ließen wir uns einfach nur durch die Straßen treiben und genossen unseren letzten Reisetag. In einem Laden wurde auch deutsche Musik gespielt  und zeigt einmal wieder wie viel versteckte Ironie die Türkei doch zu bieten hat: Zum dem Song-Text „Wir sind hemmungslos die ganze Nacht“ kauften dort die (häufig doch noch sehr auf ihre Jungfäulichkeit bedachten) jungen Türkinnen ein. Wie gut, dass sie den Text nicht verstanden...
Der Tag endet mit einem Sonnenuntergang an der "Marina".
Ein türkisches Frühstück

Antalyas Berge

Olympos

Manti

Marina an der Marina


Nach 12 erlebnis- und abwechslungsreichen Tagen deutlich erschöpft ging es dann am 30. Oktober per Flugzeug zurück nach Istanbul. Auf unserer Reise haben wir wirklich Verschiedenstes gesehen und erlebt und viele Eindrücke dazu gewonnen. Die Türkei hat eine wirklich beeindruckende Landschaft zu bieten.

Jetzt hat mich aber das laute und bunte Istanbul wieder und die ersten Mid-Term Klausuren und Essays stehen vor der Tür...

Görüşürüz,
Marina

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