Sonntag, 2. September 2012

Merhaba Istanbul

Hallo meine Lieben,

seit fünf Tagen bin ich nun schon in Istanbul. Dienstag Mittag ging es mit dem Auto Richtung Frankfurt Flughafen (- diesmal auch ohne platten Reifen auf der Autobahn!) und dann mit einem nicht mal halb vollen Flieger nach Istanbul. In Istanbul wurde ich dann von Alexandra vom Bus abgeholt. Sie und ihr Mann arbeiten hier in einer christlichen Gemeinde im Stadtteil Besiktas. Obwohl sie gleich am nächsten Tag in den Urlaub flogen, darf ich derzeit alleine in ihrer Wohnung hier in Besikats bleiben - wobei alleine trifft es nicht ganz, es gibt nämlich noch Franziska, deren kleine Schildkröte.
Gleich am ersten Abend lernte ich etwas sehr wichtiges von Alexandra: viele türkische Familien kennen keine Privatssphäre in Form eines eigenen Zimmers, in das man sich zurückziehen kann. Und tatsächlich bestätigte sich das, indem mir bei meiner Wg-Suche des öfteren vorgeschlagen wurde, mir doch mit irgendwem ein Zimmer zu teilen. Ohweia, nee,nee, Marina braucht manchmal auch ihre Ruhe!


Nunja was habe ich die ersten fünf Tage gemacht? Da ich ja hier bei dem Prediger der christlichen Gemeinde und seiner Frau unterkomme, hab ich diese Gemeinde heute natürlich auch einmal besucht. Das war sehr nett, aber es ging echt lange (von 11 Uhr bis 17 Uhr). Nun ja, hier ist alles mit sehr viel Essen, sitzen und plaudern verbunden!
Daneben bin ich jeden Tag am Fährenanleger hier in Besiktas und beobachte das bunte Treiben um mich herum. Donnerstag habe ich mich mit Gülten getroffen. Sie ist eine Türkin aus Istanbul und wir kamen über Alexandra und Kaan in Kontakt. Wir hatten überlegt gemeinsam eine Wg zu gründen und waren dazu in Kadiköy unterwegs, klapperten die dortigen "emlaklar" (Immobilienmarkler) ab. Eine sehr lustige Angelegenheit: Wir durften ein reizendes Geschwisterpaar kennenlernen (er der Schwätzer, sie die keifende Chefin), eine Kioskbesitzerin mit dem chaotischsten und dicksten handschriftlichen Adressbuch,das ich je gesehen habe, Wohnungen ohne (oder kaum vorhandenenen) Fenster und schließlich landeten wir dann in einer ganz seltsamen Straße: eine Friseurladen, der eher aussah wie die Istanbuler Mafia-Zentrale. Wir bekamen eine Wohnung gezeigt, die uns auch ganz gut gefällt, aber leider ohne Möbel.  Allerdings verhandelte Gülten mit ihrem unerschütterlichen Verhandlungsdrang (von ihr kann ich noch viel lernen) beim Second-Hand-Möbelladen zwei Matratzen, zwei Schreibtische, zwei Kleiderstangen, Waschmaschine, Kühlschrank und Herdplatte, Sofa und Küchentisch samt vier Stühlen für umgerechtnet ca. 525 Euro. Haha, Hammer! Leider erschien es uns dann aber doch zu umständlich, so dass ich mich gestern noch mal auf Wg-Suche gemacht habe und jetzt bei zwei türkischen Jura-Studentinen in Kadiköy unterkomme. Am 8.9. kann ich zu ihnen. Sie scheinen sehr ordentlich zu sein. Ohweia, da muss ich mich diesmal anstrengen! Aber sie sind auch sehr hilfsbereit!
Unter "Parks zum Joggen" wird hier anscheinend auch etwas anderes verstanden; die beiden Male, die ich danach fragte, wurden mir Parks gezeigt, die höchstens 200 m Laufstrecke umfassten. Ja soll ich denn 45 Minuten lang im Kreis laufen? Und mit meinem Türkisch komme ich hier auch nicht weit! Gül, die Putzfrau hier, kann nämlich kein Englisch und letztens mussten wir mit Händen und Füßen kommunizieren - erst da stellte ich fest, hups wir füttern ja beide Franziska. Nunja verhungern muss die Kleine unter unserer Pflege dann ja nicht.
So und morgen ist dann das erste Orientierungstreffen an der Uni!! Das heißt ab geht's mit der Fähre nach Asien! Und dann 40 Minuten, vielleicht aber auch 90 Minuten mit dem Bus zur Uni - je nach Verkehrslage!
Liebe Grüße aus Istanbul!
Iyi aksamlar, eure Marina

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