Hallo meine Lieben,
Endlich finde ich Zeit mal wieder zu berichten. Also nach 11 Tagen im wunderschönen Besiktas habe ich mich am 8.September auf den Weg nach Asien gemacht, um dort mein neues Zuhause zu beziehen.
Eingezogen bin ich bei Seyda und Zeynep, zwei Türkischen
Studentinnen. Allerdings mussten wir für meinen Einzug noch die
Vormieterin meines Zimmers loswerden. Doch nicht nur die sollten wir
an diesem Tag los werden, sondern auch zwei unserer Sofas, die besten
Küchengeräte, die Herdplatten und das Internet . Etwas betröppelt
saßen wir daher am Samstag Abend in unserem plötzlich sehr leeren
Wohnzimmer. Doch nicht lange, dann kam der Hausmeister Dogan und
die Nachbarin Aliye Teyze (Tante Aliye) vorbei, meine Möbel wurden aufgebaut und
der neuste Tratsch ausgetauscht.Kommen wir zu meiner Uni. Vor zwei Wochen hatte ich eine erste Einführung, gefolgt von weiteren Tagen der Organisation und des Herumirrens in Istanbul, um die jeweilige Behörde für Transportation Card, Aufenthaltsgenehmigung etc. zu finden. Wenn man nach dem Weg fragt, wird man auch immer erstmal ein Stück begleitet und dann in die jeweilige Richtung weitergeschickt – vermutlich würde eine Wegerklärung auch nicht genügen, da man mit Englisch hier eh schlecht bestellt ist, selbst auf der Ausländerbehörde! Irgendwie ziemlich unlogisch da jemanden hinzusetzen, der kaum ein Wort Englisch versteht, aber nunja. Sowieso wird man, selbst wenn man sagt “Türkce bilmiyorum“ (Ich spreche kein Türkisch) weiter auf Türkisch bequatscht.
Und ja wie sollte es anders sein: Erster Uni-Tag und totales Verkehrschaos, aber naja das scheint hier normal zu sein; auch dass mein Bus manchmal einfach eine andere Route nimmt und nicht an meiner Haltestelle vorbeikommt. Die letzten Morgende war ich daher schon völlig erschöpft bevor der Tag überhaupt so richtig begonnen hatte. Entweder der Bus kam nicht, hielt nicht oder wenn er dann doch kam, dann ging es nur im Schneckentempo voran. Und all diese Strapazen nahm man auf sich um dann an der Uni festzustellen, dass der angekündigte Kurs heute eh nicht stattfindet. Welcome to Turkey!
Unsere Uni gleicht einer eigenen kleinen Stadt. Das Gelände ist abgesperrt und man kommt nur durch ein Sicherheitstor herein. Und alles, was auf dem Campus vor sich geht, geschieht unter den wachsamen Augen Atatürks, den wir der Diskretion wegen liebevoll nur "Peter" nennen. Es scheint kein Entkommen vor ihm zu geben, er ist überall – obwohl auf der Toilette hängt kein Bild! Immerhin das darf ich ohne die wachenden Augen von Peter!
Natürlich war ich auch eine brave Erasmus Studentin und habe an der organisierten Tour durch das Sultan Ahmet Viertel teilgenommen, die Hagia Sophia, die Basilika und den Topkapi Palast besucht und Köfte gegessen. Das Efes Bier habe ich auch schon probiert und in Carefour, einem Supermarkt im Nautilus Shopping Center, das gleich bei uns um die Ecke ist, Rotwein für 8,50 Lira entdeckt, der tatsächlich schmeckt – ein absolutes Schnäppchen hier müsst ihr wissen. Bei den Preisen für Kosmetikartikel und Alkohol wird mir hier nämlich ganz anders.
Das hier sind Zeynep und Seyda. Ich finde wir sind ein ganz gutes Trio. Mir wird auch ständig gesagt, ich sehe Türkisch aus. Hatte ich das meinen Türkisch-Lehrer in Deutschland noch nicht geglaubt, so tue ich das langsam doch.
Solche Flaschen, in denen Flaschendeckel gesammelt werden, hängen auch an jeder Sraßenecke und seit ich gehört habe, dass deren Erlös Menschen im Rollstuhl unterstützt, sammle ich wie verrückt!
Am Wochenende habe ich es dann endlich mal richtig nach Taksim geschafft. Samstags waren wir auf einem kleinen Festival mit vorherigem Brunch und Sonntags war ich mal wieder in die Gemeinde nach Besiktas eingeladen. Nachdem es Essen und noch mehr Essen gab (typisch Türkisch also!)ging es dann in eine Bar nach Taksim, weil für Erman eine kleine Abschiedsrunde geplant war. Er wird für 15 Monate seinen Militärdienst machen. Hatte ich eine kleine gesellige Runde erwartet, so hatte ich mich getäuscht: Noch ging es langsam los, aber dann wurden auf einmal die türkischen Volkstänze ausgepackt und die muss das deutsche Mädel natürlich unbedingt lernen. Haha also die Christen hier, die gehen ab! Das war ein Spaß.
So ihr Lieben, ich muss jetzt wieder zurück zu meiner türkischen Soap.
Bis die Tage,
Marina

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